20
Es war dann dieser Dienst auf je i Gespann herabgesetzt, sodass72 Pferde und ebensoviel Menschen gestellt wurden. Da aber musstenneben diesen auf dem Hofe selbst noch 20 Baupferde und 3 Knechtegehalten, im Ganzen also 92 Pferde und 75 Menschen verwendet werden.
Nachdem der Geheimrath von Westphalen das Gut gekauft, wurdevon dessen Inspektor Rixner eine andere Einrichtung getroffen. Dendienstpflichtigen Hufnern wurden gegen Entrichtung eines bestimmtenDienstgeldes die Naturaldienste ganz erlassen, auch ihre Stellen ihnenin Pacht gegeben. Die Arbeiten wurden jetzt von dem Gute selbstmit eigenen Gespannen verrichtet. Man bedurfte aber hierzu nur noch36 Pferde und 14 Knechte. Dabei waren diese im Stande nicht nuralle Feldarbeit, und was sonst vorhin gethan war, zu verrichten, eskonnten von ihnen auch noch ausserordentliche Leistungen z. B. Urbar-machungen, Forstarbeiten u. s. w. beschafft werden. Dass jetzt nochnicht einmal die halbe Zahl der früher erforderlichen Pferde mehr alsausreichend war, findet seine Erklärung zum Theil darin, dass jene vonFrohnbauern gehaltenen Pferde ein kleiner kümmerlicher Schlag warenvon nur sehr geringer Leistungsfähigkeit, sodass selbst auf leichtemBoden der Pflug stets mit 4 Pferden bespannt und daher von 2 Menschenbedient werden musste. Nach Aufhören der Frohndienste ist jenerelende Pferdeschlag bald ganz verschwunden.
Rindviehhaltung war den dienstpflichtigen Bauern neben dem starkenPferdebestande nur sehr beschränkt möglich. In Cismar z. B. konntenauch die besten Hufen, auf welchen 16 Pferde vorhanden waren, nurhöchstens 4 Kühe und etwas Jungvieh halten.
Mit der Abschaffung der Frohndienste war nicht blos die geistigeund sittliche Hehung der unter diesem Uebel so verkommenen Bevölke-rung verknüpft, es begann auch für die Landwirtschaft eine Epochefreudiger Entwicklung, welche bald dahin führte, dass die Schleswig-Holsteinische Landwirtschaft ein Muster für die anderer Länder wurde.
Wenn zur Zeit die Lage der die Landwirthschaft betreibendenBevölkerung in Schleswig-Holstein im Allgemeinen noch eine verhältniss-mässig günstigere ist, wenigstens die Uebelstände, unter welchen inandern Theilen Deutschlands die Landwirthe leiden, sich nicht mit soschwerem Drucke hier fühlbar machen, so ist dieses gewiss zu einemnicht geringen Theile jenem grossen agrarischen Reformwerke zu danken,welches vor hundert Jahren hier durchgeführt worden ist, von demeben die Parzellirung der Domänen und anderer Grossgüter einen Theilausmachte.