16
Jenseits nicht gibt, daher mein Grundsatz: Macht euch hier das Lebenschön; kein Jenseits gibts, kein Wiederseh’n.“ „Hier auf Erden gilt eszu gemessen.“ „Meine Hoffnung ist es, selber den Zukunftsstaat zu er-leben, in dem alle Menschen gleich und gleich bezahlt sind, und keineDrohnen sich von unserm Schweisse mästen“. „Wir müssen aufstehen,wie ein Mann, lieber heute wie morgen.“ „Unsere Führer sind po-litische Eunuchen, Verräter am Volke; sie fürchten, im Falle des Miss-lingens von ihren kurulischen Sesseln zu stürzen.“ „Diese Kerls unterjochengenau wie der heutige Staat. Sie reden von Kleinarbeit und Organisation. Hatdie russische Revolution solche nötig?“ — Diese Verbindung von Mate-rialismus und Proletariat ist gewiss höchst marxistisch; aber schwerlichhaben die deutschen Gewerkschaften ein Interesse an solchem Marxismus,der bei fehlschlagendem Putsch und Generalstreik rückschrittlich wirkenmüsste. 31
Kritik: Obgleich politische Freiheit und wirtschaftlicher Fortschrittzur Überwindung des Sozialrevolutionären Nihilismus das Beste tun müssen,so ist doch eine theoretische Kritik dieser Marxischen Grundlagen nichtüberflüssig. Zunächst ist offen zuzugeben: das Soll über dem Sein, denWert über der Natur, die Idee über der Erscheinung anzuerkennen, istSache nicht des Beweises, sondern des Entschlusses. Dies ist das grosseEntweder-Oder, das in der einen oder anderen Form jedem Menschengestellt wird. Insofern ist die Wahl der Weltanschauung nicht Sachedes Wissens, sondern des Gewissens. Selbstverständlicherweise ver-pflichtet die Bejahung des Wertes an sich nicht zur Bejahung irgend-welcher überkommenen, vielleicht höchst verwerflichen Wertvorstellungen.Unsere Klassiker lehnten überlieferte Religionsformen ab— „aus Religion“;sie wiesen engherzigen Schollenpatriotismus von sich — für die Nationund die Menschheit. Ihre Vernunftreligion und ihr Weltbürgertummochten konservativen Mächten revolutionär erscheinen — sie warenWertbejahung, durch eine Welt geschieden vom Atheismus und Inter-antionalismus eines K. Marx. >