Vorwort.
Schmoller soll einmal geäußert haben, daß es uns an einerwirklichen Geschichte der Nationalökonomie fehle. Mit Recht! Dennes gibt zwar verschiedene Geschichtswerke, aber keines kann be-friedigen. Der große Bau kann erst vollendet werden, wenn dieeinzelnen Steine dazu herbeigeschafft worden sind. Wir kennen dieGeschichte in großen Zügen, wir wissen aber nicht, wie das einzelnesich gestaltete. Deshalb müssen wir ins Detail hinabsteigen, umall die mannigfaltigen Verschiedenheiten des geschichtlichen Lebenszu erforschen. Erst die einzelnen Erscheinungen ergeben das Ge-samtbild, wie die vielen bunten Steinchen in einem Mosaikgemälde.Damit ist gesagt, daß das Detail uns nicht der Zweck, sondern nurdas Mittel zum Zweck sein darf: denn »das Detail soll nur erkanntwerden, um aus ihm schließlich als fundamental das Allgemeineabzuleiten, denn das Allgemeine ist erkenntnistheoretisch das Wissen-schaftliche« (Lamprecht). Einzelnes Material zu dem großen Werksoll diese neue Sammlung darbringen, damit ist auch das Programmdieses Buches charakterisiert: es will nur ein bestimmt begrenztesGebiet erforschen, wenn es die Geschichte der alten deutschenKameralisten behandelt.
Die Anfänge der deutschen Nationalökonomie liegennoch so im Unklaren, daß diese Schrift ihren Zweck erfüllt hätte,wenn sie das Dunkel etwas lichtete. Fragen wir, woher es kam,daß die Literatur über diese Epoche so dürftig ist, so wird dieseFrage schwer zu beantworten sein. Wir vermögen nur die auf-fallende Tatsache zu konstatieren, daß die Deutschen sich um dieVergangenheit der heimischen Wirtschaftsbetrachtung herzlichwenig gekümmert haben. Vielleicht trug auch die Schwierigkeitder Originallektüre und ihrer Beschaffung dazu bei, denn der Mangelan Kenntnis der Quellen ist bei den meisten, die über diese Zeiturteilen, zu offensichtlich, einer spricht nach, was der andere ge-sagt hat, ohne den wahren Tatbestand wirklich zu prüfen. Fast