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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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meist dagegen, die Engländer eher dafür, Mun verspricht sichviel davon zur Förderung eines lebhaften Handelsverkehrs. Mandarf auch nicht vergessen, daß es an den Zahlungsmitteln derKreditwirtschaft zunächst völlig fehlte, daß ferner der Edelmetall-vorrat gerade in dieser Zeit durch die Entdeckungen sich unge-heuer steigerte, an dem jedes Land teilhaben wollte. So erschollvon allen Seiten der Ruf nach Geld. Wie die Staatsmänner undKaufleute, so dachten auch die Feldherren; stammt doch ausjenen Tagen das berühmte Wort des Marschalls Trivulzio auf dieFrage, was zum Kriegführen nötig sei: »Tre cose, Sire, ci biso-gnano preparare, danari, danari, e poi danari« 37 ). Im Hintergrundstanden stets politische Fragen: die Machtpolitik des Vater-landes.

Ich glaube, man braucht diese Geldauffassung der Merkanti-listen nicht mit Stammler zu verteidigen, der von ihnen sagt:»Da sie den Rat gaben und tatkräftig in der Praxis danach zuhandeln suchten, daß der Staatsmann möglichst das Geld in dasLand hereinzuziehen und darin festzuhalten habe, so hat sich viel-fach die Meinung festgesetzt, als ob sie von dem Golde und demEdelmetall überhaupt eine Art magische Kraft und mystischeQualitäten erwarteten. Aber es braucht dieser Geringschätzunggar nicht. Ihre Ansicht wird ganz verständlich, sobald man ebenvoraussetzt, daß man für Geld unter der bestehenden sozialenRegelung ziemlich alles haben kann.« Da man zwischen natür-lichem und sozialem Reichtum zu unterscheiden habe, so drückedas Urteil, ein Land sei reicher als das andere, das Verhältniszwischen zwei Vermögensmassen aus. Vermögen habe nur Sinnunter der Voraussetzung einer sozialen Regelung, d. h. bei Existenzvon Privateigentum und Tauschverkehr. Nicht der natürliche, nurder soziale Reichtum sei der maßgebende. »Unter der Voraus-setzung von Privateigentum und privatem Tauschhandel auf Grundeines geregelten und sozial allgemein anerkannten Wertmessershatten also die Merkantilisten nicht unrecht, wenn sie Reichtummit verhältnismäßig viel Eigentum an Geld und Edelmetallen be-zeichnten« 38 ). Stammler legt zuviel Gewicht auf die sozialeRegelung; den Merkantilisten kam es nicht auf Geld als sozialenReichtum an, d. h. als Vermögen, sondern als Kapital. Es warihnen ein Produktionsfaktor, der die in der Volkswirtschaft schlum-mernden Kräfte erwecken, der alles befruchten sollte. Es galtihnen als ein Mittel zum Zweck, zum Verkehr und seiner Hebung,

wie wir oben schon feststellten war also ein Verkehrs-