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besten den alten Merkantilismus, da dies beweisen würde, daßseine Prinzipien nicht so falsch gewesen sind, wie nur zu gernbehauptet wird. Durch unsere Zeit geht wieder ein eminentnationaler Zug: jedes Land will das erste sein, und ein Wett-bewerb auf allen Gebieten herrscht unter den Nationen. Nichtumsonst starren die Länder in Waffen, überbieten sich in derAufstellung von Truppen, dem Bau von Kriegsschiffen. Das-selbe sehen wir auf wirtschaftlichem Gebiete: die Parole heißtjetzt wieder »Schutz der nationalen Arbeit«. Fast jedesLand umgibt sich mit Zollmauern, die immer höher werden,sucht nur sich günstige Handelsverträge zu schließen. Wirsehen die Existenz von Ausfuhrprämien wieder erwacht in denGetreideeinfuhrscheinen und in dem dumping der Kartelle. Gibtes nicht auch heute wieder zahlreiche Stimmen, die die Geld-ausfuhr bekämpfen aus Gründen der Devisenpolitik oder derNotendeckung? Ferner erblicken wir den heißen Wettbewerbum die Kolonien, die machtvollsten Staaten haben bald dieganze Erde unter sich verteilt, um Absatzgebiete und Rohstoff-länder zu gewinnen. Im Innern aber ist eine der Hauptsorgen:eine gesunde, zahlreiche Bevölkerung, das alte »volkreiche,nahrhafft Gemein«.
Lotz weist mit Recht auf die großen Ähnlichkeiten hin,wenn er auch meint, daß sich überhaupt kaum etwas veränderthabe — wohl aus seiner politischen Anschauung heraus. So sagter: »Auffällig ist bei jeder Rückschau, wie wenig sich die Weltim Laufe der Zeiten ändert. Die Technik hat riesige Fortschrittegemacht. In der Politik aber gibt es Meinungen, die man fürlängst abgetan gehalten hat, und die trotzdem wiederkehren. Wirleben in einer Zeit des Neomerkantilismus. Das wirtschaftspolitischeSystem, welches im 16. bis ins 18. Jahrhundert vorherrschte, undwelches man dann endgültig widerlegt glaubte, ist seit Ende der70er Jahre des 19. Jahrhunderts mit unverwüstlicher Kraft wiederaufgelebt. Ein Eingreifen mit zum Teil gewaltsamen Mitteln,jedenfalls aber mit allen Hilfsmitteln, die die fiskalische Politikbietet, in der Hoffnung, die eigene Nation wirtschaftlich zu hebenund im Glauben, dem eigenen Volke nütze, was anderen NationenSchaden bringt, ist heute ein Schlagwort der Regierungen.« »Vorallem gilt es als staatsklug, durch energische Eingriffe ins Wirt-schaftsleben den Absatz auf dem heimischen Markte den inländi-schen Produzenten möglichst zu reservieren.« »Aber wie im altenMerkantilsystem vereint sich heute mit der Politik der Abwehr