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Stimmen« zu eigenen Vorteil von den Fürsten »ordenung / maß /und gesetz der Müntz« verlangen, ist es unbesonnen, ihnen keineOrdnung zu geben. Es ist die Frage, ob es besser ist »funffzigodder sechtzig ungeuerlich / reicher Kauffleuth jnn einer stad zuhaben«, die in der Not nützen können oder den Einwohnern »jhrerlandhandel /narung zuvorhindern«*). Das wäre, wie wenn ein Gast-wirt in einem Dorf nur sich bereicherte, so würde er reich, dieBauern arm. Unser Ernestiner zeigt sich als Merkantilist imSinne einer handelspolitischen Stärkung seines Landes. Sobereicherten sich auch viele Einwohner »mit uberfurung / vielerunnotturfftiger / unnützer / und furwitziger / auslendischen wahr«,»dadurch sie allein reichen und zunemen / und die einwoner derlande jhrer narung jn gemein . . . geschwecht und als billich nichtzunemen odder gedeien mügen«. Beide werfen sich krasse Interessen-vertretung vor.
Von dem nachteil / so die zinsherrn / anjhrer jerlichen Renth uh gült tragen müsten etc./
Auch der widderkeufflichen schulde halben.
Er bemüht sich nunmehr wirtschaftlich die Argumente desAlbertiners: die Münzverschlechterung schädige die Gläubiger
— wohl vergeblich — zu bekämpfen. Eine genauere Prüfungseiner Beweisführung ist ja dem III. Teil dieser Arbeit Vorbehalten.
— Man studiere die Verhandlungen in Zeitz über die Münze, fernerden Plan, den Stände und Regiment des Reichs in Nürnberg be-raten haben, und belehre sich eines bessern. Wenn man einwende,was den Herren an den Zinsen abgehe, komme ihnen beim Silberzugute, wäre das richtig. Aber nur, wenn nicht der allgemeineNutzen gesucht wird. Gewiß seien nur die jährlichen Zinsen, dieEinkünfte der Bergwerke aber schwankend. Dann hätten dieFürsten aber die Strafe Gottes zu fürchten, wenn sie wirklich ab-sichtlich eigennützig handelten, was aber nicht geschehe.
Der Gleytt und narung mit den Land-straßen / auch der Gastgeben odder Wirt halbe.
Der Ernestiner ist keineswegs nur auf das Wohl seines Fürstenbedacht, sondern sorgt auch für das des Volkes, läßt sich dabeiaber von einer recht engen handelspolitischen Auffassung (mer-
*) Lotz glaubt, daß dieser Satz vielleicht im Text verstümmelt ist. Jedenfallsmeint der Anonymus — denke ich — es sei besser, viele wohlhabende Einwohner, als50 bis 60 sehr reiche Kaufleute zu haben.