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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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Drittes Kapitel.

Georg Obrecht .

Georg Obrecht wurde am 25. März 1547 zu Straßburg alsSohn des dortigen Stadtsyndikus Thomas Obrecht geboren. Erstudierte in Tübingen, Besan^on, Dole, Orleans , von wo er 1572in der Bartholomäusnacht unter Verlust seiner wertvollen Bibliothekfliehen mußte, und ging nach Basel , wo er 1574 zum Dr. jur. pro-movierte. 1575 ist er Professor der Rechte an der Universitätseiner Heimatstadt Straßburg und gehört zu den Mitbegründernihres Ruhmes. 1577 wurde er Kanonikus, 1589 Propst amSt. Thomasstift, 1595 Rektor der Universität, 1604 erblich geadeltund 1609 Pfalzgraf , denn er stand zu Kaiser Rudolf II. in ver-trautem Verhältnis. Er starb am 7. Juni 1612 in Straßburg 1 ).

Es wird eigentlich schwer, Obrecht zu den Kameralistenzu zählen, weil ihm der typische Beamtencharakter fehlt, wenn erauch zu den Ratgebern des Kaisers gehörte. Wir werden ihndeshalb auch nicht als Professor und Verfasser vieler juristi-scher Schriften, sondern als Autor der kameralisti-schen »Eünff unterschiedlichen Secreta Politica«(1619), die meist im Aufträge des Kaisers entstanden, zu be-trachten haben. Wenn aber Small 2 ) von einem großen Pro-grammentwurf spricht, den Obrecht aufgestellt hätte, und dem diespäteren Kameralisten völlig gefolgt wären, so ist das unstreitigübertrieben, denn Obrecht war nicht gerade sehr originell,sondern baute seine Schrift mit größtem Fleiß auf die andererauf, was auch sein Sohn in der Vorrede des Werkes bezeugt. Vorallem ist er, wie viele deutsche politische Schriftsteller dieser Zeitvon Bodin stark beeinflußt. Er steht eigentlich auf absteigen-der Linie: wenn wir die Entwicklung vom Fiskalismus zur Volks-wirtschaft als das Ziel ansehen. Bei den Münzschriften, vorallem bei der des Albertiners, und bei Osse ist die Sorge umdas Volkswohl mindestens der um das des Fürsten an Bedeutunggleich, bei Osse finden wir weit eher ein wirkliches Programm