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kauff sätzten, und sich verglichen, dass man den förder nichtsteigern lassen wolte, auch darob hielte, So würden ohne Zweiffeldie Viehe-Händeler solch Land alle mit ihrem Vieh füglich nichtmeiden können, und wenn sie solchs merckten, ihr Vieh also ansich bringen, auch wiederumb also geben, dass es die Fleischerdieser Lande bezahlen könten« 88 ). — Zum Schluß seiner wirtschaft-lichen Betrachtungen verlangt Osse noch Kuratoren zur Ver-wahrung der Güter der Verschwender.
Dem eigentlichen »Bedencken« fügt Melchior von Osse nocheine kurze Betrachtung der Zustände im Reich an, die erlebhaft beklagt. Man könnte sagen, meint er, seine Vorschlägewürden dem Lande wenig nutzen, wenn nicht dem Reich geholfenwürde, das durch den Zwiespalt in Religionssachen, Schwächungder Justiz, »Verachtung des löblichen hochverpönten Land-Friedes« 89 )sehr daniederliege, so daß zu befürchten sei, daß die Feinde dar-über herfielen. Noch immer hoffte man auf ein einiges Reich,bis dann der große Krieg alle diese Wünsche für immer ver-nichtete. Was den Religionszwist angehe, könnten die Kurfürstenhelfen, indem sie — hier predigt Osse sein altes Ideal — diechristliche Einigkeit wiederherstellten. Gott aber würde dieStörer strafen. Wenn nur jeder Teil seine Mißbräuche erkennenund etwas von der Meinung des anderen annehmen würde, gingees schon mit der Einigung, die auch gegen die vielen auswärtigenFeinde erfolgen müßte. Dann aber würden alle Länder die Wohl-fahrt genießen, und beständiger Friede und Gerechtigkeit würdenim Reich herrschen, das nun wieder glücklich wäre. SchonOsse erhebt das Postulat der Glückseligkeit des Volkes.
Osses Testament bezeichnet keinen Schritt weiter aufder Stufenleiter deutscher Volkswirtschaftsbetrachtung, aber erstbedurfte es der Männer seiner Art, die mit ihrer Gründlichkeitdem neuen Gebäude ein Fundament schaffen mußten: daß er einerder ersten war, der für wirksame Reformen eintrat und demneuen Zeitgeiste lauschte, wird sein dauerndes Verdienst bleiben.