nicht davon, dass sie die einmal über die Gebühr und über Ver-mögen nach allen ihren Gefallen kleiden, und schmücken, sondernihr unersätlicher Vorwitz bringt fast alle oder je zwey oder dasdritte Jahr neu Tracht uff« 85 ).
Wo aber führt das alles hin, fragt er, doch nur zum Ver-derben. So bekämpft er mit Energie den Luxus mit ähnlichenWorten, wie wir sie später bei Hornick und Becher u. a. finden,und streitet mit den gleichen Argumenten wie andere Merkantilistenwider die Geldausfuhr. Der Luxus »ist eine Sache vor frembdeNation und vor die Kauffleute und Händeler, die bekommen vorunnothdürfftige Wahre das Geld und Güter dieser Lande, daswird in andere Lande gesandt und gehet gemeiner Nutz dieserLande, welcher durch Geld und Gut der Landleute, nicht wenigerdenn ein menschlischer Leib, durch Adern und Blut erhalten wird,zuboden. Denn gleichwie die Eigeln das Blut auffsaugen, alsosaugt solcher unnützer Pracht und ander vergeblicher Kosten,des diese Land voll, voll seynd, das Geld, als die Enthaltung ge-meinen Nutzes, aussen Lande, und rieht soviel aus, dass wennman meynt, man habe das Geld und Vermögen der Unterthanenim Lande, so haben sich andere Lande und Nationen davongereichert« 86 ) (s. auch S. 88). Darum müsse, mahnt Osse, derKurfürst ernstlich eingreifen und jedem Stand seine Kleidungvorschreiben. Die Einfachheit wäre weit besser: »wie viel tausendGülden -würden diesen Landen jährlich erspart, wenn der un-mässige Schmuck, und unnützer, überflüssiger Kosten verhütetwürde« 87 ).
Schließlich untersucht er noch die Fleischpreise, die ihmsehr hoch erscheinen, er forscht nach den Ursachen, ohne abereine Ahnung von den Funktionen der Preisbildung zu haben.Das Fleisch sei so gestiegen, daß die Armen es bald nicht mehressen könnten. Denn so oft man einen Pfennig auf das Pfundsetze, setzten die Fremden sofort auch ein paar Gulden mehr aufdie Ochsen, das tue der Bauer mit den Kälbern auch, je höherman nun im Lande mit den Fleischpreisen gehe, desto mehrgingen auch die Viehhändler hinauf. Doch weiß Osse Abhilfe:natürlich durch behördliche Taxierung, aber nach Verab-redung mit anderen Ländern, ein recht interessantes Projekt:»Mich düncket aber, man könte förderer Steigerungen verhütten,wenn sich Mein gnädigster Herr, mit der Königlichen Majestät,auch etlichen umbliegenden Fürsten in guter Anzahl eines gleichenCentners, Pfunds und Gewachte vereinigten, ein gewissen Fleisch-