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Künsten gefördert, und viel weiser gelahrter Leute vorhanden,von denen die andern gute Unterweisung nehmen, und dieFinsternuss der Unwissenheit sie in Jrthumb nicht leiden, unddass die Unterthanen, an Gute und Vermögen zunehmen, undalles, dadurch solche gemeinnützige Sachen Verhinderung haben,durch den Herrn verhütt oder abgewant werde. Die Unterthanenaber sind dem Herrn zu zweyerley verpflicht, nehmlich dass sieihn ehren, und dann auch fürchten und gehorsamen, den weil erder Obrist, und mehr unter allen andern der fürtrefflichste, sogebühret ihme billig Ehre, und alle unterthänige Ehrerbietung,und weil ihme als dem Haupt obleit, alle Sachen in guter Ord-nung zu erhalten und zu dirigiren, so ist man ihme auch folgeund gehorsam schuldig« 80 ). Der Fürst soll also das Volk in gutemZustand erhalten, das ihm dafür Gehorsam schuldig ist, wenn esihn nicht verletzen und an der Regierung hindern will. Zwarsei in Sachsen, meint Osse, eine treffliche Policeyordnung kürzlicheingeführt worden, doch sei nichts Menschliches ohne Fehler, undauf diese will er nun aufmerksam machen.
Zunächst betont er die Aufrechterhaltung der Standes-unterschiede, denkt also noch sehr mittelalterlich. Wie derAdel nicht brauen und Handel treiben dürfe, so sollten die Städterkeine Güter kaufen, »damit der hauptstand von der Ritterschafftnicht weniger, denn die Bürger in Städten, bey ihrer Nahrungauch blieben« 81 ). Wohl kämen die Bürger leichter zu Geld undkönnten die Adligen auskaufen, aber es sei viel daran gelegen,daß der Ritterstand bleibe. Osse verlangt aber für diesen Adeleinen Aufseher, weil die Ritter gar oft mit ihren Frauen übelumgingen. Die Gerichte wären anzuweisen, nicht zu schnell vor-zugehen und ein Geständnis zu erzwingen; auch müsse man diedumpfigen, luftlosen Gefängnisse beseitigen, weil sie ja nicht »zubeschwerung, Pein oder Marter, sondern zur Verwarung der Ge-fangenen« 82 ) da wären. — Er wendet sich nun zu der Kleidung,die in dieser Zeit noch gern von jeder Obrigkeit vorgeschriebenwurde. Roscher mag recht haben, daß ihn hier »außer demSparsamkeitsprincip noch ein Standesprincip« 83 ) leitete. So sagtOsse: man finde jetzt überall Kleiderpracht, beim Adel, aber auchbei Bürgersfrauen, »also dass sie zum theil nicht als Edelleut, oderBürger, sondern als großer mächtiger Herren Weiber und Fräuleinhergehen« 84 ), ja, daß sie wie Fürstinnen geschmückt seien. Wiemodern mutet uns die Klage an, wenn er sagt: »Und kommendie armen elenden Märterer ihre Ehemänner, oder Väter, damit