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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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wurden. Daher ist er wie alle Kameralisten nicht von den Zünftenentzückt, weil sie Monopolpreise nehmen: »Jedoch soll ein jederRegent . . . nicht gestatten / dass die Handwercker / in ihren Hand-wercken / sich mit einander vereinigen / dass einer seine gemachteArbeit oder Werck / nicht mehr oder weniger verkauften . . . soll /dann der andere / sonder dieses bey hoher Geltstraff . . verbieten.Dann hiedurch kan in diesen Handthierungen schädliche Auffschlagund Steigerung verhütet werden« 61 ). Um aber Handwerker undKaufleute zu fördern, empfiehlt er die Abhaltung von »Jahrmessenund Wuchenmärck«. Erst dann werden die Regenten auch »Volck-r eich er e und besser bestellte Statt und Fleck haben« 65 ) und soihre Einnahmen verbessern. Wie der Staat nur durch die Kräf-tigung der heimischen Produktion gestärkt werden kann, so wirddies nur geschehen, wenn das Geld im Lande bleibt; das ist dieAnschauung aller Kameralisten, ohne daß sie deshalb im Edel-metall den einzigen Reichtumsfaktor erblicken. So will Obrecht,der Fürst solle darauf achten, »dass so viel immer müglich / dieBaarschafft im Land und in den Städten behalten werde« 66 ). Da-zu aber müßten bei den Bauten heimische Arbeiter verwandtwerden, alle Käufe hätten im Inlande zu geschehen, und es müßten»alle Kauffmannschafften und Handthierungen / mehr in das Landund in die Stätt / als darauss gericht werden«. Er erwähnt dasEdikt Eduards III. von England (1336), das die Gold- und Silber-ausfuhr untersagte 67 ). Aus demselben Grunde erscheint unseremObrecht eine Anleihe der Fürsten bei den eigenen Untertanenbesser als im Auslande, so bleiben die Zinsen im Lande. In höchsterNot müßte ihnen alles Gold und Silber ausgeliefert werden 68 ).Zum Schluß geht er noch einmal all seine angeführten Einnahme-quellen durch und ermahnt den Fürsten zu weiser Sparsamkeit.»Im fall es aber an guter Haushaltung ermangeln / und vielmehrNegligentia, Incontentia & Luxuria regieren sollten: so könnenalle in diesem Bedencken angezogene Mittel nichts erschiessen« 69 ).

3. Constitutio:

Von Nothwendiger und nützlicher Anstellung einesA erarii Sancti.

Der dritte Diskurs behandelt die Errichtung einesReservefonds für Fälle der Not. Er bietet wenig Neues, weiles genau dieselben Abgaben sind, die er schon für denTürkenkrieg und dann zur Verbesserung von Land und Leutenverlangte. Die ganze Schrift ist in Dekretform gehalten. »Dem-