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er selbs mit seinem eigenen Gelt . . Kauffmannschafft zu treibenfürnimpt«, sagt er nach Botero. »Es ist inter Politicos sehr streitig /ob auch hohen Stands und Adels Personen / sich der Kauffmann-schafft / ohn Verkleynerung underziehen können. Und sind vieldie dafür halten / es seye mercatura ars sordida, und könne alleinab hominibus plebeis, und nit von Adelichen viel weniger vonhohen Stands Personen exercirt werden.« »Jch zwar halte merca-turam pro arte Respublicae necessaria & utili .... Also halt ichauch dafür / wann Adeliche und hohen Stands Personen zu demend Kauffmannschafft treiben / damit sie ihre Underthanen destoweniger beschweren« 60 ). Seine Vorschläge zur Förderung desHandels zeigen seinen klugen Blick, so fordert er Unterstützungder Schiff ahrt, ferner Hilfe für tüchtige Kaufleute, dass der Fürstihnen »auss seiner Rent Cammer ein stattliche Summe Gelts für-streckt / zu dem end / dass sie alle nothwendige Wahren / in billichempreiss / ins Land führen / unnd von dem dargeschossenen Geldtgebührend interesse Jährlich abrichten«. Wenn Früchte und Weinbillig sind, soll der Regent sich Vorräte davon anlegen, um sieim Falle der Teuerung billig verkaufen zu können. »Dann auffdiese weiss kan er so wol seinen eigenen / als der Underthanennutz trefflich mehren« 61 ). Hier zeigt sich der typische Kameralist:der Volks- und Privatwirt in einer Person. Roscher betont zuUnrecht, daß er kein Merkantilist gewesen wäre. — Nachdem ernoch verlangt, daß jede Gemeinde aus ihrer Kasse und jede Zunfteinen Beitrag an den Fiskus abführen soll, schlägt er weitereMittel vor, falls die angeführten nicht genügend einbringen sollten:zunächst dieselben schon oben erwähnten Erbschaftsabgaben.Ferner sollen hohe Schulen errichtet werden, denn die Studentenbrächten viel Geld ins Land 62 ); und indem er auf seine handels-politischen Vorschläge zurückkommt, verlangt er die »Anstellungvon Kauffmannschafften«, die auf eigene Gefahr die nötigenWaren ins Land und die überflüssigen hinausbrächten. Aber zuachten ist: »Dass die Kauffleut kein verbottene Kauffmannschaffttreiben / auch kein verbottene Wahren / in das Land / oder daraussführen«; daß sie keine Teuerung verursachen keine schädlichenVorkäufe vornehmen. Dafür sollen sie befördert und geschütztwerden 63 ), ebenso aber auch die Handwerker, es sei zwar einaltes Sprichwort, daß »ein jedes Handwerck ein güldenen bodenhabe«, aber den müsse man »biss an die Ellenbogen suchen«.Denn die goldene Zeit war für das Handwerk im 17. Jahrhundertvorbei, als die Gesellen nicht mehr Meister, sondern Proletarier