schmiedet die kühnsten Projekte. Vor allem will er neue Manu-fakturen in Mannheim und Heidelberg begründen. Aber auchdieser Wirkungskreis fesselt ihn nicht lange. Noch im selbenJahre 1664 knüpft er Verhandlungen mit Bayern an, überreichtdem Kurfürsten in seinem »Un vorgreif fliehen Bedencken« seinwirtschaftliches Programm und wird als — Leibarzt angestellt,behielt aber seine wirtschaftliche Ratgeberstellung. Er machtVorschläge über die Ersparnis an Beamtenbesoldungen und trittauch hier als Merkantilist lebhaft für die Hebung der Manu-fakturen, vor allem für den Verlag der Wollen- und Tuchwarenein, fordert ein Kauf-, ein Werkhaus und eine Landbank und wirdzur Gründung einer Handelskompagnie nach Holland geschickt.Aber nur zu bald setzt der Kampf gegen ihn ein, seine Gegnersuchen ihn beim Kurfürsten zu verdächtigen, zwar ohne Erfolg;er geht noch einmal nach Holland, und man beginnt seine Plänezu verwirklichen. Da tauchte ein neues Projekt auf, durchdas Becher bestimmt wurde, in österreichische Dienste ein-zutreten, was im Februar 1666 erfolgte. So wandelt er von Fürsten-hof zu Fürstenhof.
Dieser Übertritt an den Hof zu Wien , der lange so rätsel-haft erschien, ist jetzt aufgeklärt — vor allem durch Döberl 9 ) —,er ist das Resultat langwieriger Verhandlungen, in deren Mittel-punkt Becher stand, die noch heute unser Interesse erregen dürften,da sie eine wirtschaftliche Einigung Deutschlands zumEndzweck hatten. Im Herbst 1665 geht von österreichischerSeite die Idee der Errichtung einer deutschen Gesell-schaft zur Einführung ostindischer Kommerzien aus, dienach Verständigung mit Bayern eine Einigung Deutschlands be-absichtigte. Für sie warb in München Bischof Roxas: innerhalbder Union sollte Freiheit herrschen, vom Ausland sollte sie sichemanzipieren. Becher trat lebhaft für dies Programm ein; ichglaube Döberl ist sehr im Unrecht, wenn er meint, Roxas habeihn bestochen. Solche nationalen Forderungen fanden in ihmstets einen begeisterten Anhänger. In bayrischem Aufträgeerscheint er im Dezember in Wien , um Vorschläge zur Be-förderung der beiderseitigen Kommerzien und Manufakturen zumachen, gleichzeitig um den Erzeugnissen der von ihm gegründetenMünchner Seidenkompagnie den österreichischen Markt zu öffnen.Hierbei überreicht er auch einen Vorschlag zur Gründung einerösterreichischen Seidenkompagnie. Da man in Wien auf wirtschaft-lichem Wege eine politische Annäherung erstrebte, wird Becher