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Magazinen ein allgemeine Landt-Theurung einfallen«, »werdendie Lebens-Mittel bey nahe zu allen Zeiten gleiches Preyses seyn«,wird so für einen Vorrat gesorgt, und die Bauern können besserihre Steuern entrichten 120 ). Nur so kann dem Land geholfenwerden, denn, fragt er, »was kan närrischer seyn / als auff diewolfeyle und theure Jahr nie einige reflexion machen / sondernsolche Sorgen allein einigen wenigen privat ungewissenhafftenWein- und Korn-Juden überlassen«, auch kann das Magazin dieWaren viel besser an den Mann bringen und einkaufen. Dabeiist »die Anlegung der Gelder zu dergleichen Magazinen nichtallein einem Landts Fürsten / sondern allen und jeden vermög-lichen Leuthen rühmlich ehrlich / und beyderseits nützlich« 121 ).Auch jede Stadt muß ein »Particular-Magazin« haben mit Be-amten zum Einkäufen und Preisfestsetzen, denn — die freie Re-gulierung der Preise will ihm nicht einleuchten — »was kan voneiner Obrigkeit liederlicher gethan werden / als dass sie den Baurenim Verkauften ihren freyen Willen und Muthwillen ohne einigeinspection lasset«. Sonst entstehe eine Teuerung, und wenn ein-mal die Waren hoch im Preise ständen, wolle keiner später wiederherabgehen. Das Magazin nütze auch den Bauern, kaufe ihnendie Ware ab, die sie nicht los würden, doch dürften sie dafür nurauf dem Markt verkaufen. Die Städter aber bekämen immer guteWare 122 ). Roscher erinnert daran, daß Bechers Gedanke vondem Provianthaus nicht originell war: die Annona spiele schonim 15. Jahrhundert in Rom und Neapel eine große Rolle 123 ).
Wie den Landleuten das Provianthaus, so dient den Hand-werkern ein Werkhaus zur Bekämpfung des Propoliums, denn,sagt er, »das ledige lauffende und bettlende Gesind / Jungen undAlten / seynd einem Landt eine grosse Beschwerde und Schandt /wann und solang sie bettlen / dann eben dieses ist das nechsteKennzeichen eines übelbestellten Regiments... solche Leuth nunin die Arbeit zu stellen / und in ehrliche Bürgerliche Nahrungzu bringen / ist kein näher Mittel / als ein allgemeines Werck-Haus«. Becher meint, jede Arbeitskraft sei dem Staat vonNutzen, wenn man es verstehe, sie ihm dienstbar zu machen,daher sei jedes Leben teuer. So kann er auch behaupten: nichtdie wären zu loben, die die Bettler aus dem Lande vertreiben,sondern die, »welche die arme Leuth suchen / in die Arbeit zustellen / und gedencken / dass sie so manchen Bürger dem Vatter-landt geworben / so manchen Bettler sie zu ehrlicher Nahrunggebracht haben«, ja im Gegenteil, man sollte Fremde noch ein-