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lagen als schädlich erscheinen. Von Freiheit findet sich bei ihmkeine Spur, alles soll geregelt werden, damit jeder zu seiner Nah-rung kommt, die er sonst nicht findet. Wir sehen hier einmaldeutlich, wie selbst ein so bedeutender Merkantilist wie Bechermit seinen wirtschaftlichen Anschauungen noch tief imMittelalter wurzelt. Nicht der obrigkeitliche Zwang, der jedenökonomischen Fortschritt begleitet, ist das Ausschlaggebende, son-dern die Verständnislosigkeit für die Bedeutung desKapitals. Schon im 11. Jahrhundert hatte man die Verabredungenmehrerer zu Preisfestsetzungen verboten, und im 16. Jahrhunderterreichte die Bewegung gegen die Geldmächte ihren Höhepunkt,die man der widerrechtlichen Bereicherung auf Kosten des Volkesanklagte 118 ). Politische, nicht wirtschaftliche Momente warenes also, die in erster Linie zwischen Mittelalter und Merkantilismusdie Trennung herbeiführten. Man kann Adam Smith und die Individua-listen verstehen, wenn sie gegen solche Anschauungen Sturm liefen.
Den Schluß des gesamten Diskurses bildet die Besprechungder Mittel gegen das Propolium, zunächst die eines Proviant-hauses. »Wo man ordentlicher Weiss in einer Gemeind einanderan die Handt gehet / da blühet die Nahrung / und wo Nahrungvorhanden / da ist. .. / Zulauff von Menschen«. Wo aber dieStädte übel regiert werden und Propolien herrschen, da verderbensie. Es müssen sich aber die Hilfsmittel nach der Art der Pro-polien richten, denn in einem Regiment hat man zu achten aufdie Landes- und Stadtnahrung, muß den Arbeitsamen, den Käufernund Kaufleuten, Reichen und Armen helfen 119 ). Um aber dasPropolium bei den Bauern zu verhüten, ist die Errichtungeines Magazins nötig; und zwar soll alle zehn Meilen im Um-kreis, je nachdem ob der Bezirk fruchtbar ist oder nicht, ein solchesProvianthaus errichtet werden. Jährlich einmal sollen die Depu-tierten einen Tag festsetzen, »und da soll man sich dess JährlichenPreyses aller Victualien und Commerden und Früchten ver-gleichen / bey welchem Vergleich es bleiben solle das gantzeJahr über / und soll kein Landts-Mann oder Bauer ausser diesemPreyss gedachte Zeit über weder an das Magazin / noch an jemandsanders verkauften«. Dieses kann dann aber die Ware zu jedem Preisverhandeln. In das Magazin kann auch jeder »auff ein ehrlichesInteresse* sein Geld anlegen; alle diese Häuser sollen miteinanderin Verbindung stehen. Die Vorteile, meint Becher, sind groß:erstens würde der Vorkauf abgeschnitten, die Bauern könntenstets ihre Waren versilbern, »kan nie durch Miss-Jahr wegen der