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schafft . . . / dass ein Handels-Mann seine Waaren von derersten Handt selbst holen / und nicht auf den Messen sichsolche von der dritt und vierdten Hand erst bringen / und zuführenlassen soll«, eine Regel, die uns heute nicht einleuchten wird. Sosrefällt dem Kaufmann die fremde Ware bald besser als die ein-heimische, und er wartet auf sie und wird faul. Die Messenmüßten dazu da sein, daß die Fremden dort kaufen, etwas anderesist es mit Märkten zu bestimmter Zeit 113 ). — Auch die Nieder-lagen, das Stapelrecht, bilden ein Propolium, das er aber ziemlichbilligt. Eine Stadt kann dem Kaufmann die Waren bei der Durch-reise abkaufen, um sie dort, wohin er wollte, selbst zu verkaufen.Doch haben so die Stapelstädte vor den anderen ein Propolium.Die eigentliche Niederlage besteht dann, »wann eine grosse Wahroder manufactur nur an einem Ort in dem Land zum verkauftgebracht« wird. Sie ist aber nicht schädlich, denn es ist gut, daßin jedem Land jeder Ort etwas Besonderes hat. So tritt er auchhier für die Arbeitsteilung ein. Zu den Niederlagen gehören auchdie Kaufhäuser in der Fremde, sie sind wohl zuzulassen, »wiewolsie noch wider die allgemeine Regul der Kauffmannschafft lauffen /nemblich / man soll sich die Güter nicht bringen lassen / sondernselbige selbsten holen« 114 ). Deutschland braucht aber keine Nieder-lagsprivilegien für Fremde, damit man nicht »Ketzer in ein Landtziehe«. Die Einwohner müßten die Waren selbst herbeischaffen,denn die Fremden haben meistens ihre Ware nicht aus ihremVaterland, sondern kaufen sie von den Bürgern selbst und schädigensie 116 ). — Das letzte Propolium machen die Kaufleute sichselbst »wann sie nemblich einander vorkauffen«, das geschieht,wenn einige reiche Kaufleute sich verständigen, den Handel ansich ziehen und die ihnen im Wege sind im guten an sich bringenoder verfolgen. Dann können sie die Waren billiger als andereabgeben 116 ). Sie sind die schlimmsten, denn sie haben eigentlichein Monopol, und sie ruinieren »gantze Stätt und Länder / jaKönigreiche und Provincien«. — Auch dieses »Propol« würdenwir heute einen »Ring« nennen. — In großen Städten, besondersdenen an der See, können schon eher Propolien bestehen. Abersonst muß es sein, daß »keiner den andern verderbe / sondernvielmehr mit gemeiner Handt einander unter die Arme greifen« 117 ).Diese Gedanken sind es, die Becher überhaupt zu seinem Kampfegegen das Propolium veranlassen: jeder hat Anrecht auf Exi-stenz. Daher mußten ihm kapitalistische Ideen, mußten ihm Ver-abredungen mächtiger Kaufleute, also Ringe, Messen und Nieder-