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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Häuser / das andere aber ist die Fundirung einer allgemeinen StadSpeisekammer; beyde seynd dem gemeinen Wesen sehr nöthig« 109 ).

Ebenso findet sich aber auch ein Propolium im Handwerkund zwar in dreierlei Form: »der propolat mit den Gesellen /anderntheils mit dem Verdienst und pretio der Arbeit / drittensmit der consumption, und Kunten«. Besonders mit den Gesellensei es schlimm: »dann bald kan man sie haben / wann wenig zuarbeiten / bald kan man sie nicht haben / wo viel zu arbeiten«,und wenn am meisten zu tun ist, gehen sie fort. Das täten sienicht, wenn sie nicht wüßten, anderswo Arbeit zu erhalten. Auchmit dem Verdienst könnten Verabredungen geschehen. Ebensomißbilligt er das Kundenausspannen 110 ). Bei den Kaufleutenkennt er sogar fünf Propolien: die Juden, die »vagierende Bändl-krämer«, die Messen und Jahrmärkte, die Niederlagen, »das fünftemachen die Kauf- und Handelsleut unter sich selbst«. Daß er in denJuden nur Betrüger sieht, hat er oft genug betont und damitbewiesen, wie die mittelalterlichen Anschauungen ihn auch hierinnoch gefangen halten. So meint er, daß die Juden »der Gemeindhöchst schädlich seynd / und wo sie hinkommen / allen Handelmischen und verderben . . . / heimlich alles ausslauffen / und wo einHeller profit zu thun / den Christen vor dem Mund wegnehmen /lieber mit Schaden kauffen / und verkauften / als die Christen etwasgewinnen lassen / . . . schier allen Handel an sich ziehen / . . . lauffendas gantze Land auss / mit einem Wort / wo Juden seynd / da istvor die Christliche Kaufleut wenig zu tun« 111 ). Damit mag errecht gehabt haben, da die Juden wirtschaftlich weiter waren alsihre Umgebung. (Vgl. Sombart: Die Juden und das Wirtschafts-leben.) Auch die »Landläuffer« sind schädlich, »indem sie alshalbe Bettler aller Orten Zollfrey seynd«, und die Bauern mit allemversehen, so daß sie nicht in die Stadt kommen. Aber oft steckenhinter ihnen große Kaufherren, die so ihre Güter verkaufen lassen,daher wäre es das Beste, diese Landstreicher zu verjagen und die-jenigen, die mit ihnen unter einer Decke stecken, zu bestrafen 112 ).

Das dritte Propolium sind Messen und Märkte, sie solltenverhindern, daß die einheimischen Kaufleute zu viel forderten, weildurch sie die auswärtige Konkurrenz Eingang fand, aber sie sinddoch schädlich, sie machen, »dass die Inländische Kauffleuth sichdarauff verlassen / dass man ihnen die Waaren zu selbiger Zeitbringet / also sie sollen nicht selbsten a fonte holen / sondernalsdann von der dritten und vierten Hand kauffen« . ., sie »seyndalso . . . wider die fundamental Regul der Kauffmann-