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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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aus dem Landt führen / anstat / dass wir sie locken solten /solches herein zu bringen.« Da würde nur das Kaufhaus helfen,denn davon könnten viele leben 128 ).

Den Reichen kann man durch eine Landbank nützen, wosie ihr Geld auf Zins anlegen können. »Zu einer Bank aber werdendrey Stück erfordert / nemblich credit. Gelt/und ein fundus.«Den Kredit machen die Bankherren, die die Bank assekurierenund dirigieren; sie stehen für Erhaltung der Bank ein und dürfendie Gelder nicht zu ihrem Nutzen verwenden, an sie geht aber»der Gewinn / und Verlust der Interessen dess Capitals «. Ist derKredit nun stark, dann legen viele ihr Geld hinein, denn ohneGeld kann man keine Bank errichten, aber »wo Gelt ist / da sollman alle Mittel und Weg suchen / grosse Capitaler durch dergleichenBäncke im Landt zu erhalten«, das Geld muß in großen Sortenbestehen. Wir sehen also, wie Becher bemüht ist, die Kapita-listen dem Lande dienstbar zu machen, weil er die Produktiv-kraft des Geldes erkennt. Als drittes Mittel braucht die Bankeinen Fundus, »nemblich die Weise / Mittel und Weg / dasCapital anzuwenden / und Interesse dardurch zu gewinnen«, diesenFonds bilden aber nicht Anleihen, sondern Handel und Wandel,denn zum Kriegführen oder Bauen wollen die Anleger ihr Geldnicht geben. Wenn sie aber von gutem Kredit hören, versprechensie sich Gewinn und bringen ihr Geld 129 ). Wie man die Bankfür die Reichen errichtete, damit sie dort am besten ihr Kapitalanlegten und so dem Lande dienten, muß man auch derer ge-denken, die bisweilen Kredit brauchen, aber »unter dessenbewegliche Unterpfandt und mobilen haben / welche sie nun beyden Juden oder bey den Christen / die bissweilen ärger als Judenseynd / auff vielfältiges bitten umb ein Spottgeld versetzen«. Des-wegen hätten die Welschen die Montes pietatis geschaffen,die einem jeden Geld auf Pfand leihen und so dem Wuchersteuern, »aber uns Teutschen seynd vieler Orthen die Juden / oderGelt-Narren . . viel lieber«, ja wir dächten gar nicht daran,solchen Leuten zu helfen 130 ).

Zum Schluß prüft Becher noch einmal alle Zustände im Reichund fragt bitter: Wo sind die sechs Mittel? »Wo ist Landt undStatt proviantirt? Wo ist die Vorsorg zu wolfeylen und theurenZeiten? gählingen tritt man die liebe Lebens-Mittel mit Füssen /und muss der Landtmann verderben .. . der Burger bald entlauffen.Wo ist eine Ordnung mit den Handwercken?« Wo gibt esKaufhäuser? Aber »Zollhäuser behält man fleissig / diese seynd