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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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beschwerlich und tragen der Obrigkeit ein,« »man weiss wol inTeutschland von einer Kammer / aber da ist keine Banck darinnen /sondern wir Teutschen sitzen auff Stülen,« »mit einem Wort / derMangel der Proviant-Häuser in einem Landt ist ein Zeichen der Un-vorsichtigkeit einer Obrigkeit / der Mangel von den Werck-Häusernist ein Zeichen der Faulheit / der Mangel der Kauffhäuser einZeichen der Unachtsamkeit / der Mangel einer Banck ein Zeichendess verlohrnen Credits, und der Armuth eines Orths / der Mangeleines Montis pietatis ein Zeichen des geringachtens der Betrang-ten« 131 ). Diese Klage über die traurige Lage Deutschlands ver-anlaßt ihn zu der Frage »warumb die Republicken und Reichs-Statt allzeit besser floriren / als .. solche Stätte / welche Monar-chischer Regirung unterworffen / und einem Herrn zugehören?«Er antwortet hierauf: »Dann eine Republick hat nur einInteresse, aber ein Landt hat zwey / nemblich ihr eigenes/und ihres Herren« 132 ); eine damals nur zu wahre, aber auch sehrkühne Antwort, aus der die Trennung zwischen der fürstlichenPrivatwirtschaft und der Volkswirtschaft deutlich hervorgeht. Umaber die sechs Mittel durchzuführen, ist ein siebentes nötig: dieBestellung besonderer Deputierter zu einem eigenen Kollegium,»Commercien Collegium« genannt, es hat »auff den Lauffund Gang der Commercien / auff Bereichung und Verarmung einesLandts . . . auf Verhütung der Monopolien, Polypolien undPropolien zu sehen.« Daher muß es aus Juristen und Kauf-leuten, die teils im Land- und Seehandel, teils in Manufakturenund Verlag bewandert sind, bestehen; man könnte auch noch»Camerales« hinzunehmen, »wegen dess Bauren-Stands / undVictualien / Zoll / und anderer Sachen« 133 ).

Wir sehen bei Becher, wenn wir den Politischen Diseursüberblicken, ein vollständiges k 1 a r e s Programm echt merk an-tilistischen Geistes. Was er gibt, soll die volkswirtschaft-lichen Erscheinungen nicht kausal erklären, denn, wie oft betont,liegt den Kameralisten die wissenschaftliche Betrachtung fern, zuder eine Feder sine ira et Studio gehört. Hier ist alles bewußtauf den einen großen Zweck zugespitzt, und wenn wir Bechersletztes Kapitel über die Propolien und seinen flammenden Protestgegen die Zustände im Reich lesen, dann werden wir seine Ab-sicht erkennen: wir sehen das nationale Empfinden, das überallaus seinen Worten spricht. Er wußte, daß Deutschland sich ersteinmal auf sich selbst besinnen mußte, um etwas zu leisten; d. h.daß eine politische und volkswirtschaftliche Zentralisation erforder-

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heit 2 . 16

Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten,