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führung des Gelts / ein Land arm / und geschwächt würd /dannenhero eine general Regul ist / daß man suche / auff alleweiß und weg / das Geld im Land zubehalten.« Wenn er hieralso Geld eine Ware nennt, so ist kaum anzunehmen, daß er,der Merkantilist, es wie Smith als eine »Ware wie jedeandere« angesehen haben sollte; im Gegenteil, er nennt esdie teuerste und nötigste Ware, die das Land erhält, weil erstets an seine Produktivkraft denkt 135 ), die es zur Ware xdr h%oyi}vmacht. Um das Geld im Lande zu behalten, schlägt er vor, zwargute Münze, aber »im Gewicht / umb fünff pro cento leichter«auszuprägen, würde damit schwerlich den Geldexport hindern. ZumUmwechseln soll eine Wechselbank gegründet werden, die da-bei verdient und dem Fürsten auch viel einbringt 130 ).
»Die andere fundamental-Säule« ist das »Kauffhauß«, esberuht darauf, daß es alle Waren in natura holt und das ganzeLand damit zu billigem Preise versieht. Die Grossierer dürftenkeine Rohstoffe mehr importieren, müßten alles von dem Kaufhausbeziehen, das gewinnen müßte, da es den Zwischenhandel aus-schaltet 137 ). Von gleichem Segen wäre das »Werckhaus«, dennviele und fleißige Handwerker sind die Zierde einer Stadt, vieleBettler aber eine Schande. Den Armen dient daher erstens das»Vorsteher-Ampt«, »seine Verrichtung ist / sich aller Armen /Verlassenen / Betrangten und Betrübten im Landt mit Rath undThat in specie anzunehmen«, den Kranken ein Krankenhaus. Alleanderen aber sollen sich durch Arbeit ihr Brod erwerben, »in demWerckhauss kan man sie zu allerhand Arbeit anhalten.« Besondersbejahrten Personen könnte man »ein Stück Lands geben / unterandere Dörffer stoßen / sie verheurathen oder sonst gantz neueDörffer mit ihnen besetzen . . . und also in den Bauren-Standtverhelften« 138 ). Wir ersehen aus diesen Worten, daß Becher über-all für das harmonische Miteinanderarbeiten des Kaufmannesmit dem Handwerker und dem Bauer eintritt. Er ist durchausSozialpolitiker, wenn er für jeden die Pflicht zur Arbeit aberauch die Gelegenheit dazu fordert.
In dem »Beweiss / was einem Fürsten an seinem Landgelegen« soll das Postulat der »Volckreichen nahrhafftenGemein« bewiesen werden. Seine Argumente kennen wir schonaus den ersten Teilen des Diskurses 139 ). Größeres Interesse wirduns der »Anschlag wegen der Bedienten Besoldung zu er-spahren« bereiten, den der bayrische Kurfürst von ihm forderte,und der uns Becher einmal als Privatökonom zeigt. Erforder-
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