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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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den Handel, wan sie wollen, ihre Capitalien Legen, also sich überkein monopolium beklagen können« 170 ).

Wenn etwas erreicht werden soll, müssen auch Opfer ge-bracht werden, der Fürst muß vorangehen und das Eis brechen.Becher denkt hier ganz kapitalistisch. Erforderlich wären vorallem zwei Tonnen Goldes, die man am besten da erhebe, woherdie Krankheit stamme, also bei Manufaktur und Negotien selbst.Durch eine Erhebung seines Schwagers von Hornigk seidie »Zahl und Zustandt der Handwerckers-Leut und manu-facturen« festgestellt worden, danach befänden sich ioooooHandwerker hier. Da er ihren Wochenverdienst pro Kopf aufeinen Gulden schätzt, würden sie alle also wöchentlich eine Million,jährlich 52 Millionen Gulden verdienen, wenn davon nur 5% er-hoben würden, brächte das auch »dritthalb millionen« ein. SeineSchätzung wird wohl wieder sehr optimistisch sein. Die Hand-werker könnten die Abgaben auf die Käufer abwälzen und würdendie Mühe gern tragen, weil sie zu ihrem Besten diente 171 ). So»könten Ewer Kays. Mays. auf die Weiß doppelten Nutzenhaben: Erstlich, daß durch dise zwey donnen Golds, so Jährlichangelegt werden die manufacturen und Negotien, den ErbLanden zum Besten erhoben werden. Zweytens, daß wann disedonnen Golds solches practicirt, sie dennoch wieder Ewer Kays.Mays. heimfallen« 172 ). So weiß der Kameralist Becher dasVolksinteresse mit dem Privatnutzen des Kaisers zu ver-binden.

y) Wohlgemeintes unvorgreiffliches Gut-achten / Wie das Reichs-Edict in bannisie-rung der Frantzösischen Waaren in praxin undzum effect zu bringen / auch was dem gesammetenRöm. Reiche und allen Ständen dran gelegen. 1678.

Becher war im Jahre 1676 beauftragt worden zwecksDurchführung des Reichsedikts gegen die französischen Waren, die deutschen Städte zu bereisen, sicherlich auch inder Absicht, ihn in Wien loszuwerden, denn eine Rückkehr dort-hin wurde ihm unmöglich gemacht. Über seine Aufgabe be-richtet dieses Gutachten*), das ausführlich einen Punkt be-handelt, den er schon im Politischen Diseurs und auch in demReferat vom Jahre 1674 streifte. Frankreich war nicht nur

*) Ein Exemplar dieses Gutachtens ließ sich nur auf der Fürstlich Fürsten- bergischen Bibliothek zu Donaueschingen feststellen.