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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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militärisch, sondern auch wirtschaftlich unter Colberts glänzender Ver-waltung zu einem gefährlichen Feinde der deutschen Ländergeworden, den es mit allen Mitteln abzuwehren galt. So sprichtaus diesem Gutachten der Haß eines leidenschaftlichen Patrioten;es ist eine typisch merkantilistische Schrift, die in strengnationalem Geist geschrieben, die Kraft der nationalen Arbeitüberschätzt und an die unbegrenzte Produktivität des Vater-landes glaubt, die man nur aus dem Schlaf zu rütteln brauche.

»Es ist derohalben nicht der Luxus von Kleidern / welchesgleichwohl in einer ehrbarkeit bestehen sol / sondern diesesDeutschland schädlich / daß das Geld für solche Materienzu kleideren bißhero in die fremde^gegangen ist / hingegenunsere Unterthanen und Meister in Deutschland / als welche solchergestalt nichts mehr zu arbeiten gehabt / bey viel tausend zu gründegegangen.« Man kann diesen Satz für das Motto der ganzenSchrift halten: nur die ausländischen Waren sind Deutschland schädlich gewesen. Den Luxus, der sich mit heimischenProdukten begnügt, bekämpfen weder Becher noch dieanderen Kameralisten, weil er ihrer Meinung nach die Pro-duktion anregt. An die Kapitalbildung durch Sparen dachten sienoch nicht; war es aber damals falsch, wenn Becher sagte: »Undwäre viel besser daß alle unsere Bauren in Sammet / Seyde / undgüldenen Stücke . . . gingen / als daß sie nun mit einem elendenleinenen Kittel kaum den leib bedecken können? Das erste wäreein Zeichen guter Nahrung / gleich wie das andere ein offenbahresKenn-Zeichen ihrer Armut und Unvermögens« 173 ). Denn das Un-glück kommt nur von der Mode, über die Becher wieder seinenganzen Zorn ausgießt, es seien die Käufer »durch das verfluchteThier la Mode dergestalt bezaubert und eingenommen / daß ihnennicht allein ihr Vaterland / sondern auch dessen Tracht / und diedaselbst gefabricirte Manufacturen, wenn sie gleich schöner / besser /und wohlfeiler alß die Frantzösische / nicht mehr gefallen / so gar /daß es ihnen nicht genug ist / daß sie die Materie und den Zeugzu den Kleidern aus Franckreich hohlen / sondern die DeutscheMeister auch nicht gut genug sind / daß sie solches einmal schnei-den und zusammen nähen können / dannenhero kommt es / daßgantze Fässer voll Frantzösischen Röcken / Hosen . . . etc. ausFranckreich ins Römische Reich gebracht werden.« Zu diesem»leichtfertigen Diebstal« hätten aber die vornehmsten Kaufleutegeholfen, dadurch den Deutschen das Brot weggenommen »und etwaneinen Frantzösischen Huhrensohne in Paris in den Beutel ge-