Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

256

worffen « 174 ). Deswegen wurd e das Verbot der französischen Waren er-lassen, das aber nur nützen könne, wenn man sie nun selbst produziere.

Schwere Bedenken tauchen auf, die Becher zu zerstreuensucht, da viele meinen, daß ein solches Verbot ein Bruch desVölkerrechts wäre und Deutschland schaden könnte, weil Frank-reich es mit Repressalien erwidern würde. Wegen des Völker-rechts verweist er auf Hugo Grotius und den Engländer §

Erithraeus; und es ist interessant zu konstatieren, wie er, derstarre Merk antilist, hier einmal unter dem Einfluß des großenHolländers sich völkerrechtlichen, liberalen Ideen geneigtzeigt. So meint er, daß »zwischen Nachbahren allezeit gute ver-ständnus / Handel und Wandel seyn soll« 175 ). Den Handel mit denFremden könne man auf dreierlei Weise verbieten: entwedervollständig oder nur zeitweise oder ihn durch Zölle be-schweren, aber sagt er in liberalem Sinne »weil alleLänder nicht alles haben / so ist gut / Societatem civilem zuerhalten / daß das eyne dem andern beyspringt / daß nötige ersetzet /daß überflüssige abnehme / woraus denn eine nützliche und nötigepermutatio rerum, und daraus der gemeine Handel und Wandelentstehen«. Trotzdem dürfe man nicht den Kaiser tadeln, der nurdas tut, was alle anderen auch tun 176 ). Es bleibt aber noch zu ^

erörtern, ob Holland, die Schweiz, Italien und Frankreich ein Reichwie das deutsche oder Deutschland diese Länder entbehren könne.

Holland führt kostbare Dinge aus Indien zu uns, aber die OstindischeKompagnie wirkt durch ihr Monopol sehr schädlich. Ist Holland wirklich unentbehrlich? fragt er: »Wenn man aber betrachtet / daßHolland zu diesen... Waaren nichtes alß die bloße Manufactur thut...so solte wohl zu verwunderen seyn / daß der Deutsche Boden / Lufftund Wasser nicht so gut / der Deutsche Geist / nicht so subtilals die Holländer / die mann ihrer thorheit wegen Hasen-Köpffenennet / und denn die Deutsche Finger nicht so subtil und fertig /daß sie dergleichen begreiffen und machen können.« Er vertrautfelsenfest auf Deutschlands Fähigkeiten, alles zu produzieren, wenner auch den Verkehr mit dem vielbewunderten Holland, der»Mutter vom Handel in der gantzen Welt«, nicht ganz abbreclienwill. Ebensowenig braucht Deutschland die anderen S

Länder, nicht einmal Frankreich , daher sei es befugt, diese Warennicht hereinzulassen. Trotzdem müßten sie mit uns handeln 177 ).

Hier zeigt sich wieder einmal deutlich der Fehler des merkan-tilistischen Denkens: ein unbegrenzter Optimismus ge-paart mit einer Kurzsichtigkeit, die die Revanchepolitik der !

*