anderen nicht sehen wollte. Genau so denkt Hornigk auch. Sieglauben auf diesem Wege das Geld ihrem Lande zu erhalten.
Es erhebt sich nun die Frage nach der Anwendung desEdiktes. Gegen Frankreich ist mit aller Strenge vor-zugehen, denn voll Haß gegen den Erbfeind erklärt er ihm denwirtschaftlichen Krieg bis aufs Blut; ist das unverständlich ineiner Zeit, da Ludwig XIV. sich auf seinen Raubzügen befandund Turennes Scharen deutsche Gefilde verwüsteten? »Gleich wieder dem Deutschland von den Frantzosen mit sengen / brennen /zerstören / und Barbarischen Hausen zugefügte Schade nicht inhundert jahren wird können gerefarcieret noch vergessen werden /daß man auch in hundert jahren die Ausschließung der Franzö-sischen Manufacturen, wodurch dieser schade geschehen / nichtvergesse«. Das Edikt würde sich an Frankreich furchtbar rächen:»Dann denn Frantzosen zwantzig oder hundert tausent Man todtschlagen ist eine Sache vor wenige Jahre / worinnen solches ge-sindel wieder kan geworben werden / aber die Manufacturen inFrankreich ruinieren / den Handel damit nach Deutschland ab-schneiden / daß der schade dem Könige in Frankreich jährlichmehr als eine Niederlage von einer Armee sey / daß ist einewiges werk« I78 ). An Retorsionen denkt er nicht, tritt sogarfür lebhaften Handel nach Frankreich ein, will aber die Einfuhr fran-zösischer Rohstoffe konzedieren. Mit aller Energie soll nun vor-gegangen werden: die französischen Manufakturen werden aus-geschlossen, die noch vorhandenen sollen wieder hinausgeschafftwerden. Daß würde zwar viele Kaufleute schädigen, hilft abernichts 179 ). Becher kennt als Merkantilist nur das Interessedes großen Ganzen, der einzelne gilt nichts, hat sich dem All-gemeinwohl auch unter den größten Opfern zu fügen. Natürlichdürfen auch keine neuen Waren mehr hineingelassen werden.
Deshalb müssen die heimischen Gewerbe gefördertwerden, wenn uns auch die fremden Waren oft besser erscheinen.Als leuchtendes Vorbild stellt er Kaiser Leopold I. hin: derüber sein kostbares Gewand bei seiner Vermählung befragt ant-wortete: »Sehet . . . alles was ich hie am Leibe trage / ist in meinenErb-Ländern gemacht geworden«. Wir brauchten keine französischeMode, »warum kleiden wir uns nicht auf Polnisch oder Spanisch?«Deutschland wäre erfinderisch genug. Becher erinnert andie Erfindungen des Pulvers, der Buchdruckerei, der Uhren, »wilvon alten und neuen Deutschen Mahlern und Kupferstechern / alsAlbrecht Dürer / Holbeyn / Lucas Cranach . . . nichts reden«.
Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 . 17