Fünfzehn Jahre predige er schon von dieser Materie 180 ). Dasbeste Mittel zur Förderung der Industrie sei der Verlag, wennihm auch die Kaufleute nicht sehr gewogen sind. Aber bei ihmwird kein Kapital riskiert, die Handwerker erhalten ihren Lohn,dafür empfängt man die Waren. So läßt sich das Kapital vielehrlicher und zu des Nächsten Nutzen ohne Wucher verwerten.Da aber keiner sich um den Verlag gekümmert hat, soll dieObrigkeit selbst Geld vorschießen, und es müssen »einigeDeutsche auffrichtige Patrioten insonderheit etliche fürnehme ver-mögende Handelsleute zusammen treten / eine Compagnie for-mieren / ein Capital zusammenschießen / und alsdann an etlichenOrten in Deutschland / welche zu den Manufacturen bequem ge-legen / dieselbe verlegen« 181 ). Becher sieht die Abhilfe also nurin einer kapitalistisch organisierten Gesellschaft, für die er besonderePrivilegien verlangt. So muß es dann kommen, daß kein Deutschermehr trägt, was nicht aus Deutschland stammt, daß viele Millionenim Lande bleiben und Handwerker und Kaufleute reich werden.Unermüdlich ist er in seinen Zukunftsschilderungen und in seltenemOptimismus will er sein Vaterland herrlichen Zeiten entgegenführen.
Fiantzösische Favor,
Die Welsche Limonade,
Der Schweitzerische Flor,
Holländische Specereyen /
Uns i eutschen nicht gedeyen,
Drum brauch / du Deutsches Blut /
Loch nur Dein eigen Gut« 18s ).
< 5 ) Copia Eines Memorials / An Ihro Hoch-Fürstl. Gnaden Herrn Marquarden, Bischof-fen zuAichstet/ und Kayserl. Plenipotentiariumauf dem Reichstag zu Regenspurg / unterthänigstund wohlmeinend geschrieben.
Betreffend die fundierung eines Reichs Aerarii. 1678.
Diese kleine Schrift*) ist deshalb erwähnenswert, weil sie unsmit einem neuen Projekt Bechers bekannt macht: er verlangt dieEinrichtung eines Reichsschatzes, wie ihn schon Obrechtund die juristische Steuerliteratur forderte. Er beginnt miteiner staatsrechtlichen Auseinandersetzung, die interessantist, weil sie sich gegen Pufendorff richtet und zeigt, wie be-
*) Diese Schrift ist dem »Gutachten wie das Reichs-Edict in bannisierung derFrantzösischen Waaren« usw. beigegeben, befindet sich also auch in Donaueschingen.