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Römischen Reich zu zielen / und die Frantzösische daraus zu halten /ich vermeinte das wäre das unum necessarium dieser Zeit / aberich hab mich sehr darinnen betrogen gefunden / dann ich wüstenicht / daß diejenige welche die Sache befördern solten / eben die-jenigen wären / die es nicht thun wolten: Gott vergebe es ihnen /sie haben mich in den äußersten Ruin gebracht« 188 ). In buntemt Durcheinander geht er nun alle möglichen Ideen durch, so
hören wir noch von manchen Plänen, die er hegte. Da der Finow-Kanal des Großen Kurfürsten sich so bewährte, rät er kühn schondamals zu einem Nord-Ostseekanal: es »liesse sich noch mitbesserer Gelegenheit und Vortheil / durch das Meckelburgischedergleichen Fahrt anstellen / daß man bequem von Rostock oderRübenitz in die Elbe / nehmlich aus der Ost-See in die West-Seekommen könte / ohne den Sund zu passiren« 189 ). Ebenso fort-schrittlich zeigt er sich gegenüber den Maschinen, denen man indieser Zeit durchaus feindlich begegnete: »wiewol ich nicht rathenwil Instrumenta zu erfinden umb Menschen zu ersparen oder ihnenihre Nahrung zu verkürtzen / so wil ich doch nicht abrathen In-strumenta zu practiciren, welche vorthelhafftig und nützlich seyn.«So empfiehlt er ein Webinstrument, eine Strumpfstrickmaschine, eint »Seyden-Filatorium«, um Seide in kurzer Zeit abzuwinden, ferner
Wassermühlen; er behauptet, auch ein perpetuum mobile erfundenzu haben, nämlich ein Mittel, alle Uhren »continuirlich ohne Auff-hören gehen zu machen«. Er will aus Sand Gold geschieden, ausTeer Steinkohlen gemacht haben 190 )*). Natürlich dürfen wirnicht alle seine Worte auf die Wagschale legen, er nahmden Mund immer ein bißchen voll, versprach vieles, was er nichthalten konnte, kein Wunder, daß er oft als ein Zauberkünstler an-gesehen wurde. Trotzdem hat er recht, wenn er sagt, daß man»darumb nicht alle Speculanten vor Gecken und Narren halten soll /als welche einen Sparren zu viel haben / sondern man muß wissen /daß durch solche Leute der Welt großer Nutz und Dienste gethanwerden« 191 ). Von den Erfindungen anderer ist besonders interessant»Salomon Morlands Englisches Stentrophonicon auff eineTeutscheMeile miteinander laut zu reden«, also eine Art Telephon 192 ).
*) Als Ergänzung der »Närrischen Weißheit« muß man fürseine Erfindungen außer den rein chemischen Büchern das »Trifolium Beche-rianum Hollandicumi, aus dem Holländischen übersetzt 1679, heranziehen,das über das Harlemer Seyden-Werck, ferner über das »ewig währende Metall- oderBerg-Werk« und die Wassermühlen berichtet. Ferner das »Mineralische ABC« ausdem Lateinischen übersetzt von Roth-Scholz, 1723, in dem Becher von seinengeologischen Versuchen in England erzählt.