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Der zweite Teil des Buches, die »Weise Narrheit«, be-richtet mehr von wirtschaftlichen Projekten, von »Concepten /welche dem äusserlichen Ansehen nach guten Schein hatten / vonRaison waren / und gute Intention demonstrirten / dennoch aberin praxi nicht succedirten / und derentwegen bey dem gemeinenMann für närrisch und unbedacht ausgeschrien worden«. Wirhören hier noch einmal von der Hanausch-Westindischen Com- f
pagnie, von der Oriental-, der Seiden-Compagnie, dem Kunst- undWerkhaus in Wien, dessen Direktion schließlich »einem ignorantensolcher Sache Namens Wilhelm Schrödern anvertraut werden«mußte 193 ). Becher bespricht das Confiskationswerk französischerWaren und das Aerarium. Sonst sind es die Projekte anderer,die er unter seine kritische Lupe nimmt; er erzählt von einemSchiff unter Wasser, von Wasserfontainen, einem Microscop, einerSchiffsbrücke, besonders interessant erschien mir aber heute in denTagen der lenkbaren Luftschiffe und Flugzeuge, was er von»Hantschens von Nürnberg Instrument in die Lufft zufliegen« zu berichten weiß. Es sei zu überlegen: »Erstlich / obder Mensch den Athem im Fliegen werde gebrauchen können.
Zweytens / was vor ein Centrum gravitatis er halten werde / das
er nicht umbstürtze. Drittens / ob einige Thier oder Cörper so ,
schwer als ein Mensch von der Lufft getragen werden könne.
Vierdtens / ob die Nerven deß Menschen so stark seyn / daß sie r
die Bewegung außstehen können / welche darzu erfordert wird.
Endlich ist der Beschluß meinem Gutachten nach / dieser / daßalles was fliegen sol / müste eine größere vim elasticam haben /als es wieget: zum Exempel zehn Pfund Krafft thun / und dochnur ein Pfund wiegen / welche Krafft / gleichwie sie in den stäh-lenen Federn ist / also ist sie auch in den Nerven und Sähnen derVögel« 194 ). Ahnt Becher hier nicht den Aeroplan voraus mit seinemPrinzip »Schwerer als die Luft« infolge der »Krafft« des Motors?
Den Spötter Becher lernen wir kennen, wenn wir seine Worteüber »Leibnitzens Postwagen von Hannover nach Ambsterdamin 6 Stunden zu fahren« lesen; er zeigt wenig Respekt vor seinemgroßen Zeitgenossen: »dieser Leibnitz ist durch seine Literaturbekandt / ein sehr gelehrter Mann / hat das Corpus Juris wollenreformieren / hat eine eigene Philosophia und andere Dinge mehrgeschrieben / aber ich weiß nicht / wer ihn auff diesen Postwagengesetzt / darvon er doch nicht absteigen will / ohneracht er schonetlich Jahr darauff sitzt / ohneracht er siehet / daß der Wagennicht fortgehen will« 195 ). Und dem Kameralisten Schröder, von