dem wir unten mehr hören werden, widmet er folgende »liebens-würdige« Zeilen: »Dieser Wilhelm Schröder ist deß gewesenenCantzlers zu Gotha Sohn / von einigem guten Talent / aber nichtwol applicirt / mischt sich in allerhand Dinge / die er nicht versteht /insonderheit hat er sich in die Societät Royal hier in Engellandeingeschwatzt / welches nicht allein mich sondern auch andereLeute geärgert / daß sie so allerhand Leute promiscue hinneinnehmen / derentwegen einige lieber allein bleiben / als in solcherGesellschaft leben wollen« 196 ). Diese Worte sind typisch für Becher.Mehr über die »Närrische Weißheit« zu sagen, verlohnt sich nicht,sie zeigt uns aber noch einmal die Vielseitigkeit dieses Mannes,und resümiert seine wirtschaftlichen Pläne.
2. Die philosophisch-ethischen Schriften.
Um Becher völlig kennen zu lernen, müssen wir auch seinephilosophisch-ethischen Schriften heranziehen, müssen seinenMoral Diseurs, der bisher gänzlich unbekannt war, undseine Psychosophia betrachten, damit wir ein vollständiges Bildvon diesem seltsamen Mann geben können. In diesen Schriftensteht der Ethilcer dem Politiker oft scharf gegenüber, obwohlder letztere der stärkere ist, die man daher eigentlich nichtkameralistisch nennen kann, wenn sie auch wirtschaftliche Fragenbehandeln. Aber sie liefern unserer Arbeit als einem Beitrage zurTheorie des Merkantilismus einen Beweis, und zwar einennegativen: die Unmöglichkeit der Annahme einer wirt-schaftlichen Grundidee des Merkantilismus.
a) Moral Diseurs. Von den eigentlichenUrsachen deß Glücks und Unglücks / Allwogleichsam auff einer Wagschal Alle und jedemenschliche Actiones auf der gantzen Welt / sozum Guten / und Bösen gericht / ohnpartheylicherwogen werden. 1669*).
In der Vorrede meint Becher, die Deutschen wüßten wohl,was das Rechte wäre, aber sie täten es nicht. Deshalb wolle erihnen helfen: »Nach dem ich von dem Glück hin und her ge-worden worden / habe ich anfangen nachzudencken / was doch dieUrsach solches allgemeinen Leydens und Mangels seye? Dardurchhabe ich dem Werck allzeit weiter nachgedacht / und nicht nach-
*) Es gelang mir, den Moral Diseurs, der in der Literatur bishernirgends bekannt war und für verschollen galt, auf der Kgl. Hof- und Staats-