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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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eygen s c;h a fft und euer vorgewandte servitut her? Sicherlich vonnichts anders / als von einer Tyranney. Ich bin der Obrigkeitunterthan / wann sie mich zum Guten anführet / ihr zu folgen / aberim übrigen mit Gut und Blut unterthan seyn / und ihme die Hautüber die Ohren ziehen lassen / das hat unter dem Praetext nichtsmit dieser Unterthänigkeit zu thun.« »Gedencket doch an die edlealte Freyheit/die uns die Natur gegeben / und daß zwischendem Jure Naturae und Gentium, dann auch zwischen Heyden undChristen ein Unterschied seye.« Kommt nicht alles Unglück vonder Obrigkeit, die die Untertanen wie Schafe zur Schlachtbankführt? fragt er fast sozialistisch. Sie wird hierbei noch unterstützt vonden Kameralisten, »die auff neue Larven von Contributionen specu-liren, aber unter so vielen Aemptern habe ich keines gesehen /daß auff der Unterthanen Auffnehmen zielte«. Denn die Kamera-listen sagen »bist du reich / so gib viel«; es »können solcheCameralisten und Baurenschinder den armen Leuten das Bett unterdem Leib hinweg nehmen«. Ist es nicht eine Ironie der Ge-schichte, daß sie den auch Kameralisten taufte, der jene ver-spottete? Nichts anderes ist Pflicht der Obrigkeit, als die Menschenzur Glückseligkeit zu führen 200 ).

Die Zustände der Glückseligkeit und Unglückseligkeitwerden einander gegenübergestellt: die Erkenntnis Gottesmacht glückselig, aber die heutige Theologie ist zu einem Hand-werk geworden. Dasselbe zeigt sich in der Wissenschaft, denn»wir suchen nicht die Warheit auß Lieb der Warheit / sondern inansehen / wie es uns vor der Welt nutzen kan«. So ist es auchmit den anderen Punkten der Glückseligkeit, der Ehre, der Nah-rung, der Gesundheit. Überall folgen wir dem Gegenteil. Ausder schlechten Befolgung der fünf Punkte folgen vielerleiMängel, darunter die Armut. Zwar könnten alle Menschenauf der Welt ihr Auskommen haben, »dann die Natur ist sosorgfältig / daß sie Zweiffels ohn nicht mehr erschaffen hat / alssie ernehren kan« 201 ). Das klingt ganz antimalthusianisch,widerspricht auch der üblichen Anschauung von dem blindenPopulationismus der Merkantilisten.

Die letzte Ursache der Armut aber ist das Geld. Becherbekennt sich hier als Moralist zu einer Anschauung überdas Geld, die unser größtes Erstaunen erregen dürfte.Am besten lassen wir ihn wohl selbst sprechen: »Ein mächtigerTyrann und Ursprung aller Armuth / möchte einer einwerffen /wie ist das Gelt ein Ursach der Armuth / da es doch reich machet?