Fünftes Kapitel.
Philipp Wilhelm von Hornigk.
Im engsten Zusammenhang mit Becher, nicht nur durchdie verwandtschaftlichen Bande, steht Philipp Wilhelm vonHornigk. Was Becher, der universelle Geist, in umfassenderWeise gibt, erscheint bei Hornigk in konzentrierter Form, aberso, daß wir gerade bei ihm den Merkantilismus in allen seinenVorzügen und Schwächen kennen lernen. Es sind BecherscheGedanken, denen Hornigk huldigt, die ein hoher patriotischerSchwung beseelt. Auch für ihn ist der Kampf gegen das all-mächtige Frankreich und die Erhöhung des eigenen VaterlandesLebensaufgabe. Keine bessere Parole konnte er hierfür auf seineFahne schreiben als die Worte »Österreich über alles«, aber, fügteer hinzu »wann es nur will!«; denn nur dann konnte es siegreichbleiben, wenn es seine Kräfte anstrengte und sich bewußt wurdewie es mit allem gesegnet sei; dann aber würde es über allem inder Welt stehen. Es waren ähnliche Ideen, wie sie zu dieser Zeitauch die Flugschriften vertraten, deren Einfluß Hornigk unstreitigviel verdankt, nur daß er ihnen durch die Wucht seiner Worteund die Macht seiner Persönlichkeit besonderen Klang verlieh.
Philipp Wilhelm von Hornigk*) wurde 1638 als Sohn deskurmainzischen Hofrats Ludwig von Hornigk geboren. Er kamfrüh nach Wien, studierte dann Jura in Ingolstadt und promoviertezum Dr. jur. 1661. Er lebte dann wieder in Wien , besuchte inpolitischer Mission die deutschen Höfe und trat 1690 in die Dienstedes Kardinals Lamberg von Passau als Geheimer Rat. Erwurde von seinem Herrn zum Freiherrn erhoben und starb 1712in Wien . — Seine Schriften sind meist anonym erschienen.
*) In Ermangelung eingehender biographischer Arbeiten über Hornigk muß auchich den Angaben v. I n a m a s in der Allg. D. Biogr. (Bd. XIII) folgen. Small be-richtet über Hornigk nur, indem er Inamas und Roschers Äußerungen zitiert. — DieSchreibweise des Namens dieses Kameralisten ist ganz verschieden, Becherschreibt Hornigk, ebenso Jöcher. Ich entschied mich nach Inama für Hornigk.