von der historisch-ethischen Schule mit Schärfe widerlegt wurde[vgl. Weyermann-Schönitz] 35 ).
Wer da meint, die anderen Nationen würden uns zürnen,uns nichts mehr abkaufen, dem sei erwidert, sie sollten es nur tun,denn sie brauchten unsere Waren doch. Auch wird die Ver-bannung der vier Manufakturen keine Konfusion geben: »hat mansich in die Confusion der Pestzeit und Türckenflucht zu findengewußt: so wird sich noch wohl ehender in eine kleine Unordnungder Manufacturen ... zu schicken seyn.« Die inländischen Warenwerden alles wieder gut machen, um aber »dahin zu gelangen /so ist es ja besser / ein paar Jahr im schlechten Kleid zu gehen /und ein Herr dabey seyn und bleiben / als noch eine zeitlang imgüldenen Stück und Brocat aufziehen / und hernach zu einemewigen Sclaven verfallen« 36 ). Hätten wir Kommerzien und Manu-fakturen so in Blüte wie die Franzosen, dann könnten wir schoneher wie sie fremde Waren einlassen. Das ist kein Verstoß gegenden freien Lauf des Handels, wenn man den schädlichen verbietet,auch nicht gegen die Messen, die nur Geld hinausführen, und nunreformiert werden sollen. Ebensowenig werden die Städte leiden,denn was bisher der Auswärtige brachte, werden nun die Ein-heimischen bringen; und wenn einer klügelt und sagt: ja aber derPfennig, den der Ausländer bei uns für seinen Unterhalt ließ, dergeht nun verloren, dem Weisen sei gesagt: daß dieser Pfennighundertmal im Lande gewonnen war. »Das ist ein rechter Bluts-Pfennig / der uns das Marek aus den Beinen sauget«, das hat schonLuther geurteilt, wenn er uns warnt: »GOtt hat uns Teutschedahin geschlaudert / daß wir unser Gold und Silber müssen infremde Länder stossen / alle Welt reich machen / und selbst Bettlerbleiben« 37 ). — Nachdem Hornigk so mutig für das Verbot derausländischen Waren gefochten und alle eventuellen Erwiderungenvoll Optimismus abgewiesen hat, muß er — der Kameralist — sichschließlich noch eine heikle Frage vorlegen: wird denn dieKammer, d. h. des Fürsten Kasse das erlauben? Die Mautenwerden »Ringerung leiden«. Ja, meint er bitter, »diese und der-gleichen Cameral-Reflexiones seynd freylich der Stein dess An-stosses / woran leyder! mancher sonst nicht böser Vorschlagscheitern muss ... Zu beweinen ist ferner / dass dannenher zuSchonung eines Thalers / der etwan solcher Gestalt der Cammerzufällt / hundert und mehr andere / womit dem gantzen Lande hättekönnen wolgethan werden . . . dahinden bleiben sollen.« Aber dasfiskalische Moment hat er schon so weit abgestreift, daß er sich
Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 . 19
Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.