für das Wohl des Ganzen entscheidet, so hatte sich der Kamera-lismus seit Osse und Obrecht gewandelt: es muß »dennoch heissen:Salus Reipublicae suprema Lex esto. In platt Teutsch: Auf dieSeite / was im Weg ist« 38 ).
Seiner Sache gewiß, will Hornigk nun zeigen, wie dieneuen Manufakturen einzuführen sind. Das erste Erforder-nis sind genügende Rohstoffe und geschickte Arbeiter. So ganzvollkommen läßt sich die Sperre nicht durchführen, das weiß erauch, deshalb muß Seide eingeführt werden. Die Arbeiter könnteman von anderen Stoffgewerben nehmen*), sie müßten dann um-lernen, auch holländische Handwerker sollte man zu erlangensuchen; hätten sie doch auch Frankreich vor allem als Lehrmeisterim Spinnen sehr gedient. Die Eltern müßten die Mädchen zumUnterricht schicken, so könnte eins das Spinnen vom andern lernen.Den Unvermögenden solle man die Spinnräder leihen. Von derSeidenmanufaktur verspricht er sich Ähnliches. Auch wegen derGüte der Waren macht er sich keine Sorgen: »Wir haben dieMaterie zum Arbeiten wie andere / Hände und Köpffe wie andere /Instrumente wie andere. Kommt nun der Effect nicht herauss /wie bey andern / so ist es unfehlbar ein vorsetzlicher Muthwille /oder wenigstens eine muthwillige Ungeschicklichkeit« 39 ). Bei demMerkantilismus par excellence, den Hornigk vertritt, hält er ebenjede Produktion an jedem Ort für möglich: die Bedenkenan Volkseigenarten, Klimaverschiedenheiten, überhaupt die Er-wägungen des Standorts der Produktion sind ihm, wie denMerkantilisten überhaupt, völlig fremd. Sollten es die Deutschenwirklich nicht können, dann lasse man ausländische Lehrmeisterkommen oder schicke die Landeskinder in die Fremde. Für dieGüte der Waren wäre es nach seiner Meinung sehr dienlich, wennsie zur Prüfung vorgelegt und die schlechten zurück gewiesenwürden. Auch Wettfabriken ließen sich errichten.
Wie den meisten Merkantilisten seiner Zeit sind ihm dieZünfte unsympathisch: hinderten sie doch das Streben nachmöglichst großer Produktivität der Volkswirtschaft. »Danndergleichen Lumpen-Possen etlicher albern Leute / welche gemeinig-lich auff ein monopolium, Erpressung unbilligen Werths und