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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Wenn das Land so aufblüht, meint Hornigk, dann vermehre sich auchdie Bevölkerung, es fänden mehr Heiraten statt, da es mehr Nahrungs-mittel gäbe, solange aber die Zünfte bestünden, sei dem nicht so.Daher wäre es auch verkehrt, daß man den Zuzug so erschwere.Wenn man mit den Reformen Erfolg hätte, dann würden Aka-demien entstehen, Münzverbesserungen ergäben sich von selbst,man würde an fremde Waren nicht mehr denken, der Hof desKaisers ginge voran in Hochschätzung der heimischen Manufak-turen; habe sich die Kaiserliche Majestät doch schon gerühmt,»dass sie nicht einen Faden an dero Leib hätten / der nicht inihren Erblanden wäre gearbeitet worden« 47 ). Schließlich würdendann auch die Verkehrsmittel verbessert werden; der See- undBinnenhandel wachsen. So erstrahlte Österreichs Ruhm und Glanzin aller Welt.

Grundlage eines blühenden Staatswesens ist für Hornigk einegesunde nationale Wirtschaft, der Staat hat Wohlfahrtszweckezu erfüllen; auch er ist Eudämonist: »Alle Staat / Königreicheund Republiquen der Welt seynd ursprünglich um zweyerley Ab-sehen willen gestifftet; nemlich / um sicher / und um bequemlichzu leben.« Für die Verwaltung der Wirtschaft muß ein beson-deres Kollegium geschaffen werden, da die Kammer es nurmit der Partikularökonomie zu tun hat, die aber »ohne jene /als des Landes allgemeine Oeconomie, keines wegs in die Harrebestehen kan« 48 ). Er trennt also deutlich zwischen Volks- undPrivatwirtschaft und verlangt für erstere eine besondereBehörde, denn aus der Domäne des Fürsten wurde allmählichder Staat.

Das Schlußkapitel des ganzen Werkes zieht die Bilanz:die Kaiserlichen Erbländer übertreffen alle anderen inder Welt an »independentz«. Sie haben Gold und Silber in Fülle,die notwendigen Dinge, wie Getreide, Vieh, Wein und die leichterentbehrlichen in ebensolchem Maße und vieles im Überflüsse. Sosteht Österreich wirklich in der Welt voran und zwar um so mehr,als alle anderen es brauchen. »Oesterreich / ruffe ich nochmal /ist über alles / aber mit dem Beysatz / wann es will.« Erkommt zu dem Schluß: »So ist doch das Verboth ausländischerWaaren / und dessen strenge manutenierung der Anfang und dasEnde« 49 ).

Das ganze Werk Hornigks ist ein klares Programmmerlcantilistischen Geistes, dessen Fundament die neun Regelnsind: der Staat muß auf eigenen Füßen stehen und keine Krücke