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sehen Städtchen Salzungen, nicht aus Salzburg , wie es so oftheißt, stammte. In Gotha regierte damals Herzog Ernst derFromme, einer der besten Monarchen seiner Zeit, ein wahrerVater des Vaterlandes, der unserem Schröder als Vorbild einesFürsten dienen konnte. An seinem Hofe wurden die Schröder-schen Kinder erzogen, solange Wilhelm das Gymnasium in Gotha besuchte. 1659 bezog er die Universität Jena, um Jura zustudieren, ein Jahr darauf legte er der Fakultät seine erste Schrift:»Discursus iuris publici de potestate circa sacra inImperio Romano-Germanico« vor: »sie gleicht fast mehr einerStreitschrift als einer akademischen kirchenrechtlichen Abhand-lung« 1 ). Doch gab er das Studium nun auf und wanderte nachHolland , der »Mutter vom Handel in der gantzen Welt«, wiees Becher nannte, und von dort nach England . Er muß guteEmpfehlungen gehabt haben, denn bald gelang es ihm, Mitgliedder Royal Society in London zu werden, und ein Mann vonder Bedeutung Robert Boyles führte ihn dort ein. Daher hatSrbik recht, wenn er die Aufnahme Schröders in die berühmtewissenschaftliche Gesellschaft »geradezu das entscheidendste Ereig-nis seines Lebens« nennt 2 ). Dort wird er befreundet mit KenelmDigby , dem Astrologen und Alchimisten, der ihn zu naturwissen-schaftlichen Studien veranlaßt; und mit William Petty sitzt erin der Kommission für Handelswissenschaft. Dort lernt er auchThomas ILobbes kennen, der seine Staatsanschauungen starkbeeinflußte. Die Ideen des Engländers versucht er in Deutschland ,wohin er 1663 wieder zurückkehrte, in einer Dissertation*) zuvertreten, mit der er in Jena zu promovieren versuchte. Das miß-lang ihm aber, ja seine Schrift wurde sogar verboten, weilman sie für staatsgefährlich hielt. Wenn auch ihr wissenschaft-licher Wert unbedeutend ist, so ist interessant, daß Schröder in ihrden starrsten Absolutismus vertritt — er erklärt den König fürden Eigentümer des Reichs, der durch keinen Vertrag gebundensei — und schroff gegen das Naturrecht und Aristoteles Stellung nimmt, sich vielmehr auf die Bibel stützt. Nach diesemMißerfolg dreht Schröder der Heimat den Rücken, ist mehrmalsin London und besucht die verschiedensten Fürstenhöfe. Wäh-
*) Der Titel der Dissertation lautet: Dissertatio academica cuius prima parsDe ratione Status, secunda De nobilitate, tertia De ministrissimo, quam pro more con-sueto praeside . . . Olpio . . . publicae eruditorum disquisitioni exponet autor WilhelmbSchröter, illustriss. regiae societ. Britann. assessor, d. XXV. Julii; Jenae Anno 1663.(Vgl. v. Srbik, a. a. O., S. 33/34, Anm. 4.)