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getraute ich mir mit zweyen pfeilen das Ziel zu treffen, nemlichmit einer stehenden armee und zweytens mit vielem geld imkästen. Die armee dienet zur Sicherheit eines Fürsten . . . Geldaber ist einem Fürsten nöthig, sowol die armee zu unterhalten, alsalle große desseinen alsobald zu exequiren; pecunia enim est nervusrerum gerendarum« 8 ). Damit setzt er von vornherein den Macht-staat fest, der sich des Heeres und des Geldes als der wichtigstenHilfsmittel zu bedienen hätte.
Als zweites Postulat stellt er die Identifizierung desFürsten - und Volkswohles auf! Fürst und Staat erscheinen ihmnoch unzertrennlich, daher soll »die Wohlfahrt und Wohlstand derunterthanen das fundament« sein, »worauf alle glückseliglceit einesFürsten als Regenten solcher unterthanen gegründet sey«. Denner wird in seiner Rentkammer bald spüren, »wann das gemeinewesen noth leidet«, kann er doch seinen Vorteil nur durch »dengemeinen nutzen erlangen«. Als Volks- und Privatwirt verlangtSchröder, daß der Fürst »gleich einem hausvater« sei, derseinen Acker gut bestellen und sein Vieh gut füttern müsse, wenner Gewinn erzielen wolle (s. auch ob. S. 93/94). Das dürfen wir keines-wegs als einen engherzig fiskalischen Vorschlag auffassen; in dieser.patriarchalischen Zeit war es die übliche Meinung, die auchdie Kameralisten teilten. So schließt er mit dem Rat »der Fürstnehme, wo etwas zu nehmen sey,« ohne daß er zum Räuber werde.Er hofft in seinem Buch erwiesen zu haben, »wie die glück-seligkeit eines Fürsten mit der glückseliglceit seinerunterthanen verknüpftet / und der Fürst selbsten durch solchemittel und wege reich gemacht werden könne / welche wederGOtt noch der tugend entgegen seyn / und daß alle machia-vellische maximen / welche auff lauter jalousien / mißtrauen / heim-liche / subtile griffe die unterthanen zu unterdrücken / und anderetyranneyen gegründet seyn / in allen christlichen regierungenmöchten verhütet / und hergegen ein GOtt wohlgefälliges ver-trauen und liebe zwischen dem Fürsten und den unterthanen /beyden zum besten introduciret . . . werde« 9 ).
Die Schatz- und Rentkammer sollte ein Fürstenbuchsein, denn Schröder war strenger Absolutist; und wenn erauch die Tyrannei verwarf, die die Untertanen bedrückte, so ver-langte er doch eine unabhängige Herrschaft, die dem Fürsten Rechtund Macht gab, nach seinem Willen zu regieren. Die Förderungdes Volkswohls entsprach durchaus den Staatszwecken, derBegriff dieses »Wohles« wurde aber von dem eudämo-