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nistischen Staate definiert, ganz gleich, ob er wirklich derGlückseligkeit des zum Schweigen verpflichteten Volkes entsprach.So ist es die erste Frage, die Schröder in seinem Werke aufwirft,ob der Fürst Schätze sammeln solle, die er in durchausabsolutistischer Weise bejaht. Wir sehen, wie stark der EinflußHobbes ’ auf ihn wirkte.
»Ein Fürst / welcher keinen schätz im kästen hat /sondern sich auff die gutwilligkeit seiner unterthanen und länderverlassen will / der gehet auff steltzen: Dann der unterthanengemüther seynd hinckende hunde / mit welchen man keine gewissehasen fangen kan« 10 ). Das sind die ersten vielbedeutenden Wortedes Schröderschen Buches. Auf die Liebe des Volkes sei keinVerlaß, »dann wo die quaestio Mei & Tui ventiliret wird / da höretbeym gemeinen mann die liebe auf«. Der Pöbel ist sofort zurEmpörung bereit, der Fürst aber verloren, der sich dann nichtselbst zu retten weiß. So muß ein Fürst Geld »in bereitschaffthaben«, »dieweilen der nervus aller dinge geld ist«, denn wenn ererst die Untertanen um Hilfe bitten soll, ist es zu spät; auch glaubtdas Volk dann einen Anspruch auf Mitteilung der Absichten desFürsten zu haben 11 ). Schröder stabiliert die Souveränität wie einen»rocher de bronze«, nur so erklärt sich der Ausspruch: »In.Monarchia ist allein erlaubet / wenn es nicht anders geschehenkan / daß ein Fürst seiner person eigene Conservation, derunterthanen Wohlstand vorziehe; denn das ist das recht desFürsten / welches der prophet David im andern Psalm am ReichChristi beschreibet / wenn er saget: Er hat dir die heyden zumerbe gegeben / und der weit ende zum eigenthum«. Der Staatgehört dem Fürsten , das betont Schröder ausdrücklich: »Esstehet nicht / er hat den heyden einen König gegeben / sonderner hat dir die heyden zum e\ r genthum gegeben / wodurch dasabsolute gouvernement der Fürsten bestätiget zu seyn erhellet« 12 ).So versucht Schröder seinen Absolutismus aus der HeiligenSchrift abzuleiten, keineswegs aus aristotelischer Staats-anschauung, wie Nielsen meint. Da das Interesse des Fürsten bisweilen von dem des Volkes differieren wird, hat er wenig Hilfezu erwarten, er soll deshalb »seine unterthanen in regierungs-sachenaus dem circkel lassen / das ist / er soll sie so wenig wissen lassen,als er kan«. Schröder meint, der Herrscher würde schon dierichtige Grenze finden, aber als warnendes Beispiel stellt er Karl I. von England hin, der im Vertrauen auf sein Volk verloren war.»Damit nun ein Fürst von seinen unterthanen independent und