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vor sich absolut seyn möge / so achte ich vor das sicherste . . .daß er das hefft in händen und geld im leasten habe«, denn »mitgold und silber können wir wunder thun«. Ein Staatsschatzist deshalb unbedingt notwendig, das war schon die Auffassungder juristischen Steuerliteratur. »Ich halte das für eine von dengrösten Fürstlichen tugenden,« schließt Schröder, »wann er fleißigdarauff bedacht ist / wie seine vermögen können verbessertwerden« 13 ).
Das zweite Kapitel beschäftigt sich deshalb mit der Ver-waltung des fürstlichen Einkommens. Es sei ein Fehler,diese der Kammer zu überlassen, daher reichten die Einnahmennicht aus, und wenn sie vermehrt würden, geschehe es mit Be-drückung der Untertanen, »durch welche und dergleichendinge die Cammeralisten bey dem lande so verhaßt / und sosuspect zu seyn pflegen«; unter denen also auch Schröder diegewöhnlichen Kammerbeamten versteht. Die Verwaltungder fürstlichen Einkünfte besteht »in rechter distribuirung derausgaben« und in Vermehrung der Einnahmen. Die Ausgabengehören vor die Kammer, aber die Verbesserung der Einkünfteerfordert ganz andere Leute als die Kameralisten, denn sie habengenug Arbeit, sie kennen nicht alle Einnahmequellen, auch sinddie Kammern von andern Instanzen abhängig 14 ). Daher wäre esgut, wenn man die Kameralsachen in zwei Kollegien trennte,das eine für die Einnahmen und Ausgaben, das andere»welches nichts anders zu thun hat / als zu deliberiren / wie dieeinkommen des Landes-Fürsten zu vermehren«. Hierzu sollendie erfahrensten Leute des ganzen Landes berufen werden; dasKollegium selbst muß unabhängig sein, seine Beamten gut besoldet,außerdem soll es einen fundus haben 15 ). Die Untertanen müssenan den öffentlichen Lasten mittragen; da diese aber oft nicht aus-reichen, spürt man immer neue auf, »und wird der für einen ver-schmitzten und verständigen Cammeralisten gehalten,« sagt Schrödervoll Ironie, »welcher solcher nahmen viel erdenclcen kan«. Deshalbkommen ihm diese falschen Volksbeglücker vor, wie die Pächter,die nichts auf die Äcker wenden, aber möglichst viel ernten wollen:»so thun auch die Cammeralisten / welche geld machen / wo siekönnen« 10 ). Es gibt noch andere Kameralisten, von denenSchröder ebenfalls nichts wissen will. Ist es deshalb nötig, immerwieder zu betonen, daß unsere »Kameralisten« sich nichtmit jenen identifizierten? Zu dieser zweiten Art gehörenjene, die durch Sparsamkeit den Staatsschatz vergrößern möchten.