w
— 311 —
es wolle / so ist gewiß / daß der eigen-nutz in der weit nicht zu-gibt / daß einer oder der ander viel gelt solte umsonst aus dem landeschicken / daß er nicht etwas dafür wieder zu sich gebracht habenwolte.« »Wenn es die commercien nicht erfodern / so wird ohnedas kein geld aus dem lande gehen; wenn es aber die commercienalso haben wollen / so ist das verbot erstlichen wider unser interesseSelbsten« 49 ). Weil Schröder die Zahlungsbilanz kennt, ob-wohl ihm der Begriff selbst noch fehlte, bekämpft er die Geld-ausfuhrverbote und sagt: »wir finden durch die erfahrung / daßdurch erbschafften das geld aus dem lande getragen wird,«ebenso durch fremde reiche Kaufleute, vornehme Bedienteoder solche Leute, »welche ausser landes wohnen / und aber grossebeneficia und einkommen jährlich aus dem lande ziehen.« Einegute Policey würde hier mehr ausrichten als ein Verbot 50 ).
Zu den Mitteln, die ein Land arm machen können, ge-hören vornehmlich die ausländischen Kriege, es »seyn crocodillen /welche alle schätze eines Fürsten und landes aufffressen« 51 ). Fernernennt Schröder heimlich aus dem Land gesandte Gelder,Erbschaften, Subsidien, die Summen, die nach Rom gehen,die Opfer und Gelübde und die Almosen. Viele weltliche undgeistliche Bettler schleppen »grosse summen geldes aus demlande«, deshalb soll man den Fremden aus einer gemeinsamenKasse etwas geben; aber nur den Kriegsflüchtlingen, »dann einieder Estat ist schuldig / seine arme im lande zu versorgen«. DasAlmosen, das den fremden Bettlern gegeben wird, soll ihnen inGestalt von Manufakturen verabreicht werden, die sie außer Landesversilbern können 52 ). — Dem Verbot, daß die Klöster und Geist-lichen ihr Geld nicht auf Zinsen ausleihen sollen, willSchröder nicht beipflichten, weil das Land, wie er sehr richtigerkennt, zu wenig Kapital hat. »Denn wir müssen consideriren /daß wir in einem lande leben / wo das current Capital des geldeszu klein ist / und daß wir mangel am geld im lande haben;dahero ein Landes-Fürst auff alle weiß und wege dahin trachtensoll / daß das currente Capital zunimmt / jemehr werden des Landes-Fürsten seine einkommen vergrößert . . . der handel und wandelim lande aber nach der quantität des currenten capitals im landeab- und zunimmt: ergo je grösser das currente Capital /je grösserist der handel und wandel; je grösser aber der handel und wandelist / je mehr hat ein Fürst einkommen.« Hier finden wir die An-nahme bestätigt, daß den Merkantilisten das Geld Kapital war,wir sehen auch, wie privatökonomische Rücksichten stets bei dem