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Reichtumsquellen zu erschließen, hier in äußerst einsichtsvollerWeise ein Verbot der Geldausfuhr ablehnt, wozu sich selbstBecher nicht verstehen wollte. Der Einfluß Muns erwies sichals der stärkere. »Es ist ein gewisser wahn fast bey allenleuten in der weit / wider die vernunfft und die tägliche erfahrungbehauptet; ob wäre die freye ausfuhr des geldes aus einemlande ein mittel / wodurch ein land um seine baarschafft ge-bracht und arm wird.« Wie unmöglich dieses Verbot ist, sehenwir daraus, daß »alle diese länder / wo es verboten ist / diesesgenerale verbot haben limitiren müssen.« Spanien hat keinenErfolg damit erzielt und England ebensowenig, weshalb es dort1663 beseitigt wurde. Da der freie Handel allein ein Land be-reichert, muß das Verbot nutzlos sein, denn »nicht der Überfluß /sondern die bedürfftigkeit macht den kauff«. Das ausgeführteGeld bringt hohe Zinsen, es ist »auff Wucher geleget / undich gewinne vier und mehr doppelt solcher geld«; ist also demLande ersprießlich. »Die jenige aber /welche wider die freyeausfuhr des geldes reden oder schreiben / die consideriren undbetrachten das werck in seinem anfang und nicht in seinemende .. . eben als wenn ich vom bauersmann aus seiner arbeit imfrühling judiciren wolte: Er thäte närrisch / daß er sein schönesgetrayd in die erde würffe« 47 )*). Im Interesse des Landes liegtvor allem eine Förderung der Kommerzien, ihnen aber wäredas Verbot zuwider, da »dasselbe die Vermehrung des reichthumshindert / und den schätz nicht vermehret: denn was den Commer-den zu wider ist / das hindert den reichthum«. Auch Schröderbetont die Notwendigkeit der Geldzirkulation: »wer reich wer-den will / der müsse nicht das Geld verbergen / sondern esdahin geben / wo es mit wucher wieder kan genommen werden.«Denjenigen, die mit Einwänden kommen, die Becher und Hornigkerhoben hätten, das Geld ginge nur für Luxuswaren hinaus, er-widert er, daß man die Einfuhr dieser Artikel verbieten könnte 4S ).Sein Blick ist hier geschärfter als der der anderen Kameralisten; erweiß, daß die Bedürfnisse des Handels das regulierendePrinzip für die Geldaus- oder -einfuhr sind: »es gehe hier wie
*) Dieses Argument stammt fast wörtlich von Thomas Mun : »Denn wenn wirdie Handlungen des Ackerbauers nur zur Saatzeit erblicken, wenn er viele gute Körnerzur Erde wirft, dann werden wir ihn eher einen Harren wie einen Ackersmann nennen.Doch wenn wir uns seine Arbeit im Herbste besehen, die das Endziel seiner Bemühungenist, dann erkennen wir den Wert und die vervielfältigte Frucht seiner Handlungen.«Englands Treasure, 1664, Ch. IV. nach Diehl-Mombert, Lesestücke der Polit. Ökonomie,I. Bd., 1. Aufl. 1910, S. 60.