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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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nur schädlich sei, weil »man in effectu einen geringem werth derZahlung bekommen / als man haben würde im guten geld / das istim gold / welches nicht höher als nach seinem innerlichen realenwerth geschätzet ist« 44 ). Ebenso zwecklos wäre es, wenn man dieKaufleute zwingen wollte, daß sie für die Güter, »welche sie ausdem lande führen / einen theil in baarem gelde sollen zurückebringen.« »Denn es bleibet ein infallibile axioma, daß so vielwaaren als wir weniger von den unserigen ausführen imwerth / als wir hergegen von fremden der ihrigen be-kommen / so viel müssen wir mit baarem geld bezahlen« 45 ).Schröder glaubt nicht, daß man durch Zwangsmittel dem LandeGeld zuführen könne. Daher verspricht er sich nichts von einerkünstlichen Erhöhung des Zinsfußes und zeigt hier vielEinsicht in die Bewegungen des Kapitalmarktes. »Es möchteeiner vermeinen / daß wenn in Oesterreich erlaubet würde / 8 procent interesse zu nehmen / und hergegen in andern landen nur5 pro cent gewöhnlich wäre / so würden die in andern landenihr geld in Oesterreich bringen / derweilen sie daselbst ihr geldum 3 pro cent besser nutzen könten.« Die Entscheidung istschwierig: in der merkantilistischen Epoche des Wirtschaftslebens,wo man die Kraft des Geldes so sehr schätzte, hätte man denZufluß fremden Kapitals freudig begrüßen müssen, das mithelfenwollte, das Land zu erschließen. Schröder meint, er würde esauch getan haben, wenn man es hätte konfiszieren können; daes aber nicht gehe, wolle er lieber darauf verzichten, weil die Nach-teile die Vorteile überwiegen: »daß je größer einer interesse be-zahlen muß / je mehr der Debitor schaden / und derCreditor nutzen hat. Also würden wir in wenig jahren / durchbezahlung eines so grossen interesse / uns und unser geld / der-gestalt consumiren / daß wann wir zuletzt das Capital würdenbezahlen sollen / wenig geld übrig haben würden« 46 ). Viel-leicht sprach auch noch ein rein merkantilistischer Grundsatz mit:man wollte auch mit dem Kapital vom Ausland möglichstunabhängig sein.

Schröder widmet den zweiten Teil seiner Untersuchungder österreichischen Verhältnisse den Ursachen, die dasLand arm machen und Geld hinausführen. Man muß es alsBeweis für die wirtschaftliche Ungeschlossenheit desMerkantilismus, ebenso als einen für die InkonsequenzSchröders ansehen, daß er, der eben noch Geld und Reich-tum einander gleichsetzte und sich bemühte, möglichst viele