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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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308
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Vermünzung des fürstlichen Silberschatzes, die nur dem Ansehendes Regenten schadet. Die Reisenden tragen nur so viel zumReichtum bei, als sie »im Wechsel bekommen / eben so wohl alsbrächten sie das baare geld mit sich ins land« 39 ). Die Wechselselbst hält er »nicht allein in communi vita nützlich / sondern auchzur facilitirung der commercien hoch nöthig«. Denn es steckten»so viel künste und verborgene stücklein in der wechselkunst . . .von welchen Melynes in lege mercatoria so viel Wunders er-zehlet«. All die Zauberkünste, die Malynes dem Wechsel zuschreibt,zeigen, daß er sein Wesen absolut nicht verstand, kein Wunder,daß Schröder bekennt: »welche großsprechereyen von wechselnzwar / die warheit zu bekennen / ich selbsten nicht verstehe / nochmich darein finden kan« 40 ).

Die gemeinste Art, ein Land reich zu machen, sind die Com-mercien. Denn was hat Holland, Frankreich, was Florenz be-reichert? Aus dem Stand der Wechselkurse ist bequem Gewinnund Verlust eines Landes zu ersehen, wozu die Mauthregisterberücksichtigt werden müssen. Immer wieder zeigen sich dieenglischen Einflüsse auf Schröders volkswirtschaftliche An-schauungen, deshalb tritt er als erster in Deutschland für dieFreiprägbarkeit des Goldes und Silbers ein, was »gewißin der Münzgeschichte festgehalten zu werden« verdiente. InEngland war 1666 die freie Prägung gewährleistet worden,sicherlich auch aus merkantilistischen Gründen, um möglichstviel Edelmetall in Umlauf zu bringen 41 ). So sagt Schröder: »Eshaben für etzlichen wenig jahren die scharffsinnige Engländereinen modum durch die müntze erfunden / wie sie aus andernlanden von gold und silber in ihr land locken wolten« 42 ). Dienominelle Wertsteigerung der Münze habe gar keinen Ein-fluß, »denn es ist bekannt und allbereit erwiesen / daß die ein-und ausfuhr des geldes in einem lande mit den commercienmüsse balanciret werden / dergestalt / daß ein land /welchesmehr gekaufft / als kaufft / so viel geldes einzunehmen habe / alsdie verkauffte waren mehr werth seyn / denn die welche es ver-kaufft haben, hiergegen aber wo ein land mehr einkaufft / als eswieder verkaufft / so muß es den Überfluß mit baarem geld er-setzen / und gut machen / und daß ein land nicht mehr verkauffenkönne / als andere länder von ihme zu kauffen bediirfftig seyn« 43 ).Hier vertritt Schröder ganz deutlich die Handelsbilanztheorie,daher bedeutete ihm erst die Warenausfuhr Gewinn, nicht diebloße Erhöhung des Nennwertes der Münzen, die im Gegenteil