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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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307
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»Durch handel und wandel im lande ernehret sich wohl einland / und wird mächtig / aber dai*um nimmt es dadurch an reich-thum nicht zu: denn solcher handel unter sich selbsten / ist eigent-lich nur eine commutation zu heissen.« »Also auch wenn ich dasgeld im lande gleich immer aus einem beutel in den andern stecke /so bleibet doch die quantität des geldes / die zuvor gewesen /im lande.« »Darum wird das land so viel reicher / als ent-weder aus der erden / oder anders woher geld oder goldins land gebracht wird / und soviel ärmer als geld hinauslauf ft.« Aber er schwächt diese Behauptung sofort ab und er-klärt das Geld für einen Maßstab: »Denn dieweilen ex communiconsensu gentium gold und silber das allgemeine pretiumist aller dinge / und der werth derselben an allen orten in derweit nach dem werth des goldes und silbers geschätzet wird / alsum welches alles kan erkauffet werden: so muß man den reich-thum eines landes nach der menge des goldes und silbersin demselben ästimiren« 36 ) (vgl. I, S. 43/44). Eine Über-schätzung des Geldes war also bei Schröder zweifellos vor-handen, sie unterschied sich aber nur gradweise von der allerKameralisten: denn auch ihm kam es auf die Vermehrung desKapitals an.

Für das erste Mittel der Reichtumsvermehrung hält erdie Bergwerke: »denn so viel als gold und silber gefunden wird /so viel hat das land an reichthum zugenommen«. Daher ist Öster-reich »brunnen und quelle« für alle Länder, weil es reicheBergwerke hat; die Unkosten rechnen nicht mit, glaubt er, wieHornigk 37 ). Auch durch das Kupfer kann das Land sich be-reichern, wenn der Fürst Kupfermünzen prägen läßt, »so nimmtdas land so viel am schätz zu / als diese müntz im gang werth istund gilt / und ob auch gleich solches kupffer-geld nicht mehr gälte /als der innerliche werth des kupffers austrüge / so ist doch solcheszum schätz des landes zu rechnen«. Denn nun ist es nicht mehreine Ware, sondern Geld und erhält gleiches Recht mit demSilber und dem Gold 38 ). Damit empfiehlt er eine dritte Währungneben der des Goldes und Silbers, wohl erklärlich aus dem Umstand,daß das Gold damals noch selten und das Kupfer viel wertvoller alsheute war. Aber diese Maßnahme entspricht auch der irrigenÜberschätzung der Geldkraft. Fernere Reichtumsquellen sindPensionen, Subsidien, die der Fürst erhält, bisweilen auch dieKriege, wenn auch meistens durch sie die Länder arm werden,weshalb schon Salomo vor ihnen warnt. Ebensowenig nützt die

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