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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Schröder verlangt also eine eingehende Statistik, um dieHilfsquellen des Landes feststellen zu können. Wenn Srbik meint,die Bedeutung seiner Vorschläge liege darin, daß er die bishergebräuchlichen Aufnahmen verallgemeinert habe, während dieÄlteren, wie Obrecht, nur für vereinzelte statistische Erhebungeneingetreten wären 34 ), dann irrt er. Denn Obrecht verlangte mitseinen Alben eine ganz eingehende Registrierung aller Bevölke-rungsvorgänge (s. II., Kap. 3, S. 192194)- Ja Schröder ähneltObrecht sogar stark darin, daß er seine statistischen Erhebun-gen mit fiskalischen Maßnahmen verknüpft und dabei deneinzelnen wie dieser auf Herz und Nieren prüfen lassen will: daswar gerade typisch kameralistisch. Es mag wohl sein, daß Schröderin England durch den »politischen Arithmetiker« William Petty zu seiner Statistik angeregt wurde, nur gleicht er weit mehr Obrechtals dem großen Mitglied der Royal Society .

Wie in einem Uhrwerke nicht nur die großen, sondern auchdie kleinen Räder gut gehen müssen, so muß es auch im Staatesein, deshalb soll der Fürst darauf achten, fährt Schröder fort, daßdie Dienstboten die Untertanen an ihrer Nahrung nicht ver-hindern; denn ihr Mutwille schadet dem Staate. Daher habenFürsten und Städte, so Ernst der Fromme und Amsterdam , scharfeOrdnungen gegeben; denn das Gesinde ist faul und diebisch, weilman das herrenlose duldet und die Klöster Almosen geben. ZurAbhilfe soll man die Herrenlosen wöchentlich taxieren, ein be-sonderes Gericht schaffen, Kuppler und Huren ausrotten und denLohn vorschreiben 35 ).

Der statischen Untersuchung der Verhältnisse desLandes soll die dynamische folgen, daher muß der Fürst er-fahren können, »ob und wie viel sein land an reichthumzugenommen/ und denn wie er es anstellen solle / daß das landreicher werde/damit er viel inseinen schätz legen könne«. Dazumuß er wissen, wie Geld ins Land kommt. Aus diesem Grundebespricht Schröder die Mittel, wodurch seiner Meinung nach einLand sich bereichert; wir werden sehen, daß er Anschauungenhuldigt, die wirklich merkantilistisch im Smithschen Sinnezu sein scheinen, und die auf der Auffassung basieren, daß dieVolkswirtsc haft mit der Summe der Privatwirtschaften identisch sei.

Werke beigibt. Da sich Tier- lind Pflanzenreich durch Samen fortpflanzen, »warumwollen wir dann solche eigenschaffte, welche in diesen zweyen regnis uns bekandt seyn,in dem regno minerali auch nicht glauben«. »Dann was die Wahrheit und realität desgold-machens durch die Kunst betrifft, so bin ich deren gantz versichert« (I, § 6, 7,S. 407/08).