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lagen, geringer Absatz, vielleicht auch Krieg und Pest. Das werdennur die Mauthregister mitteilen, wenn man aber keine Ursachenfindet, dann liegt der Grund im Geldmangel 29 ).
Schröder wendet sich nun den Kaufleuten zu. Ihr Gewinst»ist gantz ungewiß / daher ihnen nicht nachzurechnen / bißweilengewinnen sie / bißweilen verlieren sie«. Deshalb brauchen sie vielKapital. Ähnlich wie Becher fordert er eine harmonischeVerteilung im Volk: es müssen »die kauffleute die händeund füsse eines Estats genennet werden; Indem weder derbauer / noch Edelmann / noch handwercksmann / ohne den kauff-mann etwas gewinnen / noch selbst subsistiren können: und istder kauffmann vita, das leben des Estats, als welcher allen anderndie bewegung gibt«. Deshalb muß ihn der Fürst ungeschorenlassen, kann seinen Gewinn nicht, wohl aber das Kapital taxieren.Die Krämer »hazardiren nichts«, sie »seynd die blutigeln / welchedem armen handwercksmann das blut aussaugen« 30 ).
Der Verdienst der Beamten sollte durch ihre Besoldungbekannt sein, abgesehen von ihren Nebeneinkünften; der der Aus-leiher durch die Taxen. Der Erwerb der Wucherer »ist mitgeld und im gelde«. Um ihren Gewinn festzustellen, müssen dieZinsen festgesetzt sein und alle Darlehen eingetragen werden.Die Spieler billigt Schröder, weil dadurch die »unterthanen be-gütiget« werden, also etwa nach dem antiken Grundsatz: panemet circenses, was der eudämonistisch- absolutistischen Staatsauf-fassung durchaus entsprach. Kommissare sollten die Gewinnenotieren (wie?) und nicht gestatten, daß Geld ins Ausland komme,denn so ändere es nur den Besitzer. Von merkwürdiger kulturellerKurzsichtigkeit zeugt der Satz: »Unter die Spieler müssen auch diemarckt-schreyer / zahnbrecher / ärtzte / Sänger und dergleichen Vaga-bunden gerechnet werden« 31 ). Wenn man noch die »universal-media«, die er schon oben nannte, und zu denen er auch dasGoldmachen rechnet, berücksichtigt, so ist gezeigt, »wie dasgeld im lande ausgetheilet worden / und wo das meiste zufinden sey« 32 ). Da er fest an eine künstliche Goldproduktionglaubt, ist er sehr inkonsequent. Marchet weist treffend daraufhin, wenn er sagt: »Er übersieht dabei, daß er mit dieser Be-hauptung eigentlich sein ganzes Werk überflüssig macht.Wenn der Fürst sich so viel Geld als er braucht machen kann
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bedarf es ja keiner langen Auseinandersetzungen« 33 )*).
*) Wie ernst es Schröder mit dem Glauben an die Golclfabrikation ist, be-weist die Abhandlung »Notwendiger Unterricht vom Goldmachen«, die er seinemBeiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 . 20
Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.