304
seinem land gewinne oder gewinnen könne / damit er dadurcherfahre / wie das geld ausgetheilet sey« 22 ).
Unter neunerlei Arten von Leuten wird das Geld imLande verteilt: die Geistlichkeit, den Adel, den Bauer, Handwerker,Kaufmann, die Hof- und Staatsbedienten, die Ausleiher, Wuchererund Spieler. Aber sie alle können sich noch durch die Auf-findung eines Schatzes, durch Erbschaften und Schenkungen be-reichern 23 ). Die Geistlichkeit nimmt ihre Mittel »von andererleute devotion und Superstition«; da ist wenig zu holen 24 ). DerAdel und der Bauer leben von ihren Landgütern, deren Ertragman prüfen kann 25 ). Für das Handwerk empfiehlt er »eininventarium aller manufacturen und handwercker«, undzwar nach den einzelnen Kreisen und Städten. Darin sollen »allehandwercker und handarbeiter klein und groß nach ihren Sortenrubriciret werden. Wie viel meister / gesellen / jungen / wie vielsie in ihrem handwerck consumiren / was sie machen / was sieverkauffen / wie viel sie gewinnen« 26 ). Dazu braucht man einManufakturamt, wo alle Handwerker eingeschrieben werden»und licentz zu arbeiten nehmen«, und ein Manufakturhaus,das die Handwerker selbst verlegt 27 ). Dieses Inventar ist eine»führnehmste grund-seule eines Estats / und eine Staats-brille«,wodurch der Fürst das ganze Gewerbe übersehen kann: er sieht,»wie viel ein jedes andere land aus seinem lande für nutzenziehet«. »Die Mauthregister weisen ihn auf Verbesserungen,sie geben die Ursachen der Übelstände an, danach kann erendlich seine »Anlagen reguliren« und den Nutzen der ver-schiedenen Gewerbe feststellen 28 ). »Dann ie mehr eine manufacturdas Geld von einer hand in die andere giebt ... je nützlicherist sie dem lande.« Schließlich muß man feststellen, »wie vielmenschen von jeder manufactur dependiren«, und wieviel Gelddie fremden Staaten geben müssen. Bei Einführung einer neuenManufaktur ist daher zu überlegen, ob sie dem Lande nützlich,und ob ein guter Absatz zu erwarten sei. Das Mauthbuch gibtdie beste Auskunft. Denn wer klagt überhaupt über die schlechtewirtschaftliche Lage, fragt Schröder: »Principaliter klagen überdie nahrung der bauersmann oder handwercksmann / danndiese beyde seynd die axis, um welche aller handel bewegetwird / dieweilen der kauffmann mehr nicht als ein makelerdieser bey den zu consideriren ist.« Spricht hieraus eine Miß-achtung der Landwirtschaft, die man den Merkantilisten imputierenwill? Die Ursachen der Klagen sind Fehljahre, schlechte Auf-