liret«, denn »die ursach des Untergangs aller handwercker ist / daßdieselbe von denen dependiren / welche den verlag dazu gebenmüssen«, die Verleger suchen aber die Zahl der Handwerker zuvermindern. Schröder ahnt moderne Probleme voraus: seineBank soll den Handwerkern, die schon damals unter dem Druckder Großbetriebe an Kapitalmangel litten, die nötigen Be-triebsgelder vorstrecken, wie es in unseren Tagen die Kredit-genossenschaften zu tun pflegen. Er hofft, daß dann vieleHandwerker nach Österreich kommen werden, so daß das Land anMenschen und Wohlstand zunehmen würde. Die Fallimentewerden verhütet, die wie Erdbeben wirken, und »der handel undwandel bleibet allezeit in der balance, die Kapitalien werden ver-mehrt, der Wucher abgeschafft, und die Commercien, welchedas eintzige mittel sind ein land reich zu machen« erleichtert 81 ).
Schröder wäre kein Kameralist, wenn er nicht fragen würde,welchen Vorteil der Fürst von der Bank hätte. Er hat »indiesem Wechsel eine ewige und unauffhörliche gold- und geld-mine / welche auffzurichten und zu unterhalten kein geld undkein Capital erfordert wird«, »er erndtet / wo er nie gesäet hat.«Denn er genießt 6 % »für blosses papier «, so wird er schließlich »mehrjährlich interesse einzunehmen haben / dann capitalien im landeseyn«, da bald kein Geschäft ohne die Bank gemacht werden wird.Weil aber Handel und Wandel blühen, werden sich auch dieanderen Einkünfte des Fürsten vermehren. »So stecket auchnoch ein gewisses punctum politicum hinter dieser Landes-Fürst-lichen wechsel-banc / nemlich der Landes-Fürst bekommt dadurchalle negotia in seine eigene hand / ist absoluter Herr vonallen capitalien im lande« 82 ). Neben diesen privatwirtschaft-lichen hätte die Bank noch mancherlei volkswirtschaftlicheVorteile. Die Wechsel wären so bequem, daß sich auch die ihrerbedienen könnten, die keinen Kredit in Anspruch nehmen wollten,nur um das ständige Geldausgeben vermeiden zu können. Damittritt Schröder deutlich für den Notencharakter seiner Wechselein. So kann ein reicher »Cavallier« einen Wechsel aufnehmen,um seine Güter recht zu gebrauchen; »er ist außer Gefahr / undweiß alle stunden sein geld zu bekommen / und ein ander mußes ihm auffheben«. Ebenso sind die Gläubiger gesichert, dennwenn jemand den Wechsel nicht einlöst, bezahlt die Bank dieSchulden 83 ). Vermittelst dieses Wechsels werden »alle waaren anstatt baares geldes gebrauchet«, sie werden durch ihn »zu gold undsilber / und wird dadurch das Capital des landes vermehret«. So
Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 . 21
Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.