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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
328
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Dagegen will auch er wie Becher nichts von Kleiderordnungenwissen, »dieweil von der reichen ihrem übermuth so viel armehandwercker leben und ernehret werden / und dem publico gutesgeschiehet« IOi ), immer geleitet von der Anschauung, daß es zu-nächst gelten müßte, die Produktion überhaupt anzuregen undden Luxus, der sich doch nicht eindämmen lasse, wenigstens demeigenen Lande dienstbar zu machen.

Was nützte die beste Produktion ohne die genügende An-zahl an Produzenten? Sollten also die Manufakturen gedeihen,dann mußte die Menge der Handwerker vermehrt werden; daskonnte nur durch »eine freye handthierung für männiglich«geschehen. Deshalb verlangt Schröder rücksichtsloses Vorgehengegen die Zünfte, die mit ihren Privilegien den stagnierendenZustand des Gewerbes nur unterstützten: »So wäre zwar auff dieseprivilegia im geringsten nicht zu gehen / indem alle diese privilegiazu keinem andern ende sind gegeben worden / als daß die manu-fakturen dadurch solten befördert werden«; der Fürst darf nichtdulden, »daß die manufacturen . . . auf wenig personen restringiretwerden«. Sonst könnte er auch keine Teuerung verhindern, dadie Zünfte den Preis nach Belieben festsetzen; ebenso schädlichwäre es, wenn ein Meister zu viel Gesellen hätte, weil diese dasGeld oft ins Ausland brächten, aber auch die Bevölkerungsver-mehrung verhinderten, da sich Gesellen nicht verheiraten dürften 102 ).Schröder will die Zünfte nicht beseitigen, aber er will ihreSelbständigkeit brechen, damit schuf er eine gewisse Freiheit,indem er mit ihren »närrischen Ordnungen« aufräumte und denProduzentenkreis erweiterte, aber von einer »Verselb-ständigung des Produzenten« 103 ) war keine Rede, da derallbevormundende Staat nun an die Stelle der Gildenvorstehertreten sollte: wenn er möglichst milde und unsichtbar seinen Ein-fluß gebrauchte, konnte so weit mehr zum Segen des Staatesgeschehen als durch Institutionen, die immer mehr verknöcherten.Daher verlangt Schröder für die Comites Palatini das Recht,jeden nach Belieben »zunfftmäßig machen« zu können, dennwenn diese sogar »Doctores, Magistros und poeten creiren / huren-kinder ehrlich machen / und wapen geben« können, warum solltensie dann nicht »einen schuster oder Schneider machen«? Wenndas nicht hilft, dann soll der Fürst selbst eingreifen; denn »einjeder Fürst kan in seinem lande eben das practiciren / wasvon Kayserl. seiten im Röm. Reich practiciret wird«, oder erbelehne gewisse Distrikte mit Freiheiten, »wo allerley handwercker