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wohnen / und ihre handthierung ohne hinderung der zünffte freytreiben dürffen« 104 ).
Als letztes Mittel empfiehlt auch er wie Becher ein Manu-fakturhaus, wo alle Handwerke verrichtet werden können undLehrlinge erzogen werden; aber »das gesellen- oder meister-machensoll gäntzlich auffgehoben und verboten seyn«, damit jeder nachseiner Lehrzeit sein Handwerk frei ausübe. Daher sollen alle,die in dem Hause gearbeitet haben, eine »licentz« erhalten, »daßsie im gantzen land sich mögen hinsetzen / und ihre handthierungtreiben« und als Zeichen ein Wappen über ihrer Tür: »Fürst-licher manufactur hof-befreyter«. Der LTnterricht mußdort ein ganz anderer sein als sonst, »damit die lernenden baldzur perfection gelangen«. Denn die Burschen werden auf derWanderschaft doch nicht gefördert, und jeder Fürst will — echtmerkantilistisch gedacht! — »nur seinem lande und keinem andernland arbeiter« erziehen. Denn der Ein wand: die Gesellen lerntenerst auf der Wanderschaft aus, trifft nicht zu; es ist ein Unglück,daß die Meister die Lehrlinge so schlecht unterrichten, weil siemit allem möglichen andern, nur nicht mit ihrem Handwerk be-schäftigt werden. Wenn ferner entgegnet werde, die fremdenZünfte würden sich verbinden, daß keiner ihrer Handwerksgesellenin solcher Stadt auch nicht bei einem zünftigen Meister arbeitendürfte, und so die Meister ruiniert würden, dann wäre das Ursacheeiner Beschwerde an den Reichstag . Man könnte den Mangel anGesellen durch Lehrlinge des Manufakturhauses ausgleichen oderdie Untertanen im Ausland zur Rückkehr zwingen 105 ). Diekollektivistische Staatsauffassung nahm keine Rücksichtauf das Wohl des einzelnen, da sie nur die Förderung des all-gemeinen Ganzen kannte; ganz in diesem Geiste sagt Schröder:»Grosser Sachen sich zu unterfangen / da gehöret eine grosse reso-lution zu / und lässet sichs bey einem grossen Fürsten allespracticiren ... ob auch gleich bißweilen eine kleine un-billichkeit mit unterläufft / so ist daran nichts gelegen /denn der frommen und nutzen / so hernach daraus entstehet /compensirt alles 106 ). So denkt er sich das Manufakturhaus alssegenspendend für das ganze Land: er hatte eine alte Idee über-nommen, aber durchaus originell ausgestaltet; während BechersHaus mehr eine Musterproduktionsanstalt sein sollte, wollteer eher eine vorbildliche Erziehungsstätte schaffen, mehr denProduzenten als die Produktion reformieren. Deshalb glaubt er,daß sein Haus die Handwerker vermehren wird, hilft also zu-