Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

330

gleich dem Bevölkerungszuwachs, den er auf eine gesundeErnährungsgrundlage basieren will. Jeder darf jetzt beliebig vielLehijungen nehmen, die schneller auslernen; wenn aber eineManufaktur nicht mehr geht, kann jeder Handwerker in demHause eine neue lernen. Daher dürfen auch keine Privilegienund Monopole gegeben werden, wenn sie aber gar nicht zu um-gehen sind, soll der Fürst darauf achten, »daß es solche künsteund manufacturen angehe / welche nicht viel leute employre«; oderman gebe englische Privilegien, wonach der Privilegierte jedemgegen Entrichtung eines Entgelts eine Licenz erteilen muß. Allediese Erwägungen Schröders können sich auch nicht völlig vonmittelalterlich-wirtschaftlichen Vorstellungen befreien; daer für jeden gleichen Unterhalt fordert, mußte er die Vorteile, diedie Maschinen einzelnen gewährten, bekämpfen, daher will ervon »bandstühl / strümpff- mahlen und dergleichen« nichts wissen,»durch welche viel leute / die sonst / dem gemeinen w T eg der arbeitnach / in solcher manufactur sich employren / von ihrem brod ver-trieben werden.« »Denn es ist nicht gut für das publicum, wennsolche dingen sollten gemeine werden / welche andere concivesihrer nahrung berauben« 107 ).

Zur Förderung des Gewerbes ist noch vonnöten, daß keineManufakturen, »ehe nicht / als wenn sie völlig perfectioniretseyn«, ausgeführt werden. Für die Einführung neuer Manufak-turen ist es sehr wichtig, woher man den Verlag erhält, da dieKammer oft ihre Unterstützung versagt. Daher ist es oft ambesten, man »lässet diese oder jene manufactur einem parti-culari über / der sie verleget und ertheilet ihm privilegia«, dennder Verlag der Kammer ist unrentabel, »hiergegen wenn einhandwercksmann für sich selbst arbeitet / so lässet er sichs angelegenseyn / wie die Sachen zu disponiren« 108 ).

Das Gewerbe wäre stets an seine Werkstätte gebannt, wennihm nicht der Handel Flügel leihen würde, wenn nicht erst derKaufmann die Waren von einem Ort zum anderen brächte unddamit den Verkehr im Lande schüfe. Wie Hornigk und Becherglaubt auch Schröder, daß letzten Endes der Kaufmann für dasWohlergehen des Staates verantwortlich sei, er sagt »daß zuintroducirung solcher dinge / welche im lande consumiret werden /und dahin zuvor anderswoher sind gebracht worden / keine pestso schädlich sey / als die kauffleute«; denn der Unrechte Kaufmannsieht »nicht auf die Wohlfahrt des landes / sondern auf seinennutzen«; deshalb haßt und unterdrückt er die Manufakturen. Der