Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
333
Einzelbild herunterladen
 

333

oder lange gehabtes ansehen, theils mit Verrichtung des oberkeit-lichen amtes und dessen, was seiner bestallung oblieget, theils mitgewalt alle macht an sich gezogen hat und alles nur bloß nachseinem gutdüncken regiret, und keinem menschen auf der weitrede und antwort seines thuns zu geben sich unterstehet« 118 ). Sowird er der wahre Herrscher im Land, denn »vier dinge fürnehm -lich sind, welche diesen verzweifelt bösen leuten ... platz machen ...wann die Fürsten gar zu fromm sind«, »wann der Fürst vonschlechtem, einfältigen und gar schwachen verstände ist«. Drittens»da mit antretung des Fürsten ins regiment es lauter jung undneu ding ist«, und schließlich »die stetswährende glückseligkeit imkriegführen«. Deshalb müssen die Ministrissimi dem RegimentSchaden bringen, weil sie die Unterthanen unterdrücken,stolz werden und ihre Herren »selbst unter die Füße tre-ten« 116 ). Darum halte der Fürst sich von ihnen fern, und da esmeist Ausländer sind, hüte er sich vor seinen ausländischenDienern. Auch fürchte er sich vor dem, der alle Ehrenbezeugun-gen erhält, denn er selbst soll derjenige sein, vor dem sich allesbeugt. So fordert Schröder Mißtrauen und Ungnade für denersten Minister, der Fürst soll sich auch vor denen in achtnehmen, die in alle Geschäfte eindringen und viel Geschenkemachen. Sie haben noch viele andere Laster: verüben Betrüge-reien, rächen sich an anderen, wollen alle zu Boden drücken undsind oft zu Hause ihren Weibern untertänig. Deshalb bedenkeder Fürst, was sie ihm raten, und stürze den, der zu mächtig ist,kann er es nicht ohne weiteres, dann stelle er ihm Nebenbuhlerzur Seite. In einer »freyen Staats-gemeinde hat man dergleichenStaatsbediente nicht« 117 ). Schröder wird zu allen diesen wenigliebevollen Ratschlägen durch die Furcht veranlaßt, der Fürst,den er völlig unabhängig wissen will, könne durch zu machtvolleRatgeber Einbuße an seiner Autorität erleiden, deshalb mußteihm ein kraftvoller Ratgeber wie der Haman der Esthergeschichteerscheinen.

Wenn wir die Ideen Wilhelm von Schröders rückschauendüberblicken, wird er uns in einem doppelten Lichte erscheinen:wir sehen, wie er auf der einen Seite an den wirtschaftlichenGedankengängen des Mittelalters festhält, nach denen für dieNahrung eines jeden in gleicher Weise gesorgt sein soll, und wieer von einer Identifizierung der Begriffe Geld und Reichtum sichnicht ganz befreien kann, wenn auch in dem Streben nach Reich-tum ein Machtzweck bei allen Merkantilisten lag, wonach jederzeit